Schäfers Klagelied

Erste Fassung

D 121 Opus 3 - 1

Johann Wolfgang von Goethe 1970 - 1970

Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Boris Cepeda - Klavier

Aufnahme: Montag, 15. Dezember 2008 | Berlin

Liedtext

Da droben auf jenem Berge,
Da steh' ich tausendmal,
An meinem Stabe [gebogen{Schubert: hingebogen}]
Und schaue hinab in das Thal.

Dann folg' ich der weidenden Herde,
Mein Hündchen bewahret mir sie.
Ich bin herunter gekommen
Und weiß doch selber nicht wie.

Da stehet von schönen Blumen
[Die{Schubert: Da steht die}] ganze Wiese so voll.
Ich breche sie, ohne zu wissen,
Wem ich sie geben soll.

Und Regen, Sturm und Gewitter
Verpass' ich unter dem Baum.
Die Thüre dort bleibet verschlossen;
Doch alles ist leider ein Traum.

Es stehet ein Regenbogen
Wohl über jenem Haus!
Sie aber ist [weggezogen{Schubert fortgezogen}],
Und weit in das Land hinaus.

Hinaus in das Land und weiter,
Vielleicht gar über die See.
Vorüber, ihr Schafe, [vorüber{Schubert: nur vorüber}]!
Dem Schäfer ist gar so weh.

Johann Wolfgang von Goethe
Ölgemälde 1834 von Johann Josef Schmeller
Wikimedia.org - Public domain

Zum Text

Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichte sein Gedicht gemeinsam mit Christoph Martin Wieland im Taschenbuch auf das Jahr 1804 bei der Cotta’schen Buchhandlung Tübingen. Ein Digitalisat dieses Buches findet sich in der Österreichischen Nationabibliothek und kann online studiert werden. Das Gedicht steht auf Seite 113.

Zur Musik

Komponiert: 30. November 1814
Veröffentlichung (angezeigt): 29. Mai 1821
Originaltonart:  c - moll
Liedform: A-B-A'
Aufnahmetonart:  C - Dur
Schuberts Wohnort 1814

Das Verhältnis zwischen Schubert und Goethe war ambivalent. Während Schubert den 48 Jahre älteren Meister verehrte, hat Letzterer ihn kaum beachtet. Obwohl Goethe einige seiner vertonten Gedichte durch eine Sendung Joseph von Spauns erhielt, gelang es Schubert nicht, mit seinen Kompositionen bis zu Goethe durchzudringen. Zu fremd waren den Ohren des alten Meisters der Klassik die neuen Klänge. 2.1
1830, zwei Jahre nach Schuberts Tod, soll Goethe den Erlkönig, gesungen von Wilhelmine Schröder-Devrient gehört haben. Ob ihm tatsächlich die Komposition, oder das junge Mädchen gefallen hat, bleibt dahingestellt. 2.2

Schubert vertonte 62 Texte von Goethe, manche sogar mehrmals. Am Ende liegen uns heute fast 80 Kompositionen vor. Viele davon sind Lieder. Einige für mehrere Stimmen und Instrumente.

Als Schubert dieses Lied schrieb, war er 17 Jahre alt.

28.02.1819: Die zweite Fassung von Schäfers Klagelied ist, soweit wir heute wissen, das erste öffentlich vorgetragene Lied Franz Schuberts, gesungen von Franz Jäger.

August Reissmann schreibt in seinem Buch
Franz Schubert: Sein Leben und seine Werke 2.3

"Nach der im Spätherbst 1818 erfolgten Rückkehr nach Wien fand sich Schubert wieder in seine alten Verhältnisse versetzt. Mehr als je war er jetzt bemüht, mit seinen Werken in die Oeffentlichkeit zu treten, und er wurde hierbei von den Freunden thatkräftig unterstützt. Aus dem, im vorigen Kapitel mitgetheilten Briefe an die Freunde, vom 3. August, ersehen wir, dass er Schober bittet: Vogl zu veranlassen, bei dem Kunze'schen Concert im November eins seiner Lieder zu singen. Der Wunsch ist ihm nicht erfüllt worden. Erst im folgenden Jahre sang Franz Jäger — Tenorist von der Oper „Schäfers Klagelied" in dem, im Gasthof „Zum römischen Kaiser" von dem Violin spieler Jäll veranstalteten, am 28. Februar 1819 stattfindenden Concert, mit entschiedenem Erfolg, so dass er es in einem Concert am 12. April wiederholte."

Schuberts erstes Liederheft für Goethe enthielt folgende Kompositionen:

Jägers Abendlied D 368
Der König in Thule D 367
Meeres Stille D 216
Schäfers Klagelied D 121, erste Fassung
Die Spinnerin D 247
Heidenröslein D 257
Wonne der Wehmut D 260
Wandrers Nachtlied D 224
Erster Verlust D 226
Der Fischer D 225, zweite Fassung
An Mignon D 161, erste Fassung
Geistes Gruß D 142, zweite Fassung
Nähe des Geliebten D 162, zweite Fassung
Gretchen am Spinnrade D 118
Rastlose Liebe D 138, erste Fassung
Erlkönig D 328, zweite Fassung

Zweites Liederheft für Goethe siehe -> Link zu Nachtgesang D 119

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Ort des Manuskripts: Staatsbibliothek zu Berlin, preussischer Kulturbesitz

Die Veröffentlichung besorgte 1821 Cappi und Diabelli in Wien als Opus 3 - 1 | Verlagsnummer 768

Im thematischen Katalog  von O.E.Deutsch ist die erste Fassung op.3 Nr.1. ohne Vorspiel. In der alten Gesamtausgabe trägt op.3 Nr.1 den Titel zweite Bearbeitung.

Ein weiteres Autograph liegt in der Österreichischen Nationalbibliothek. Es kann ebenfalls online studiert werden.

Zur Veröffentlichung

Deckblatt Opus 3 4.1
Deckblatt Wiener Zeitung 29. Mai 1821 4.2

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 01 № 34
Neue Schubert-Ausgabe  IV, Bd. 01
Friedlaender Edition  Bd. 1 » 225
Bärenreiter Urtext Edition  Bd. 1 » 14

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