Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Boris Cepeda - Klavier
Aufnahme: Dienstag, 16. Dezember 2008 | Berlin
Liedtext
Im kalten, rauhen Norden
Ist Kunde mir geworden
Von {S}einer{S einer Stadt, der} Sonnenstadt.
Wo weilt das Schiff, wo {S}winkt{S ist} der Pfad,
Die mich zu {S}ihren{S jenen} Hallen tragen?
Von Menschen konnt' ich nichts erfragen, -
Im Zwiespalt waren sie {S}verloren{S verworren}.
Zur Blume, die sich Helios erkoren,
Die ewig in sein Antlitz blickt,
Wandt' ich mich nun, - und ward entzückt:
»Wende, so wie ich, zur Sonne
Deine {S}Blicke{S Augen}! Dort ist Wonne,
Dort ist Leben;
Treu ergeben,
Pilg're zu, und zweifle nicht;
Ruhe findest du im Licht;
Licht erzeuget alle Gluten, -
Hoffnungspflanzen, Thatenfluten!«
Zum Text
Das Gedicht Aus Heliopolis wurde 1843 in einem von Ernst Freiherr v. Feuchtersleben in Wien beim Verlag Ignaz Klang herausgegebenen Gedichtband Mayrhofers (neue Fassung) veröffentlicht. Das Gedicht trägt eine "Widmung": 1.1
Heliopolis
An Franz v. Schober
Ein altes Thema, vorgetragen
In grauen Zeiten, lass uns variieren!
Wir dürfen, wenn wir auch Ikarisiren -
Uns öfters noch zur Sonne wagen!
1821.
Der Freundeskreis um Schubert kommunizierte auch über Gedichte miteinander. Schober veröffentlichte 1842 nach dem Tode Mayrhofers ein Sonett auf den Dichter. Es findet sich auf S. 195 des in der Cotta’schen Buchhandlung Tübingen erschienenen Gedichtbandes. Ein Digitalisat dieser Ausgabe ist auf den Seiten der Österreichischen Nationalbibliothek online verfügbar.
"Ikarisiren" geht auf Ikarus zurück, der, nicht den Rat seines Vater befolgend, mit seinen Flügeln aus Wachs zu hoch zur Sonne aufsteigend, ins Meer stürzte und starb.
Das Gedicht Im Hochgebirge, sowie die Vertonung desselben unter dem Titel Heliopolis II kann hier ebenfalls angehört werden. Beide sind untrennbar inhaltlich miteinander verbunden.
Das Gedicht Heliopolis I von Johann Baptist Mayrhofer wurde veröffentlicht im Jahr 1843 in Gedichte von Johann Mayrhofer. Es findet sich auf Seite 195. -> Digitalisat online
Zur Musik
Schubert war 25 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.
Mayrhofer war ein enger Freund Franz Schuberts und wohnte drei Jahre von 1819-1821 gemeinsam mit ihm in einer Wohngemeinschaft. Er schreibt am 23. Februar 1829 im Neuen Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst in seinen Erinnerungen an Franz Schubert:
"Mein Verhältniß mit Franz Schubert wurde dadurch eingeleitet, daß ihm ein Jugendfreund das Gedicht „am See" – es ist das vierte in dem bei Volke 1824 erschienenen Bändchen – zur Komposition übergab. An des Freundes Hand betrat 1814 Schubert das Zimmer, welches wir 5 Jahre später gemeinsam bewohnen sollten. Es befindet sich in der Wipplingerstraße (heute Nr.2).
(...)
Dieses Grundgefühl, und die Liebe für Dichtung und Tonkunſt machten unser Verhältniß inniger; ich dichtete,er komponierte, was ich gedichtet, und wovon Vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung und Verbreitung verdankt." 2.1
Dieser engen Beziehung verdanken wir 47 Gedichtvertonungen durch Schubert.
Im Gegensatz zu den vielen andern Liedern Schuberts, die mit einem vergleichsweise kleinen Stimmumfang ohne Probleme zu bewältigen sind, beginnt dieses Lied in tiefer Lage der Gesangsstimme und schwingt sich zum Ende hin immmer höher gen "Licht". Fast scheint es, als würde die Stimme des Sänger erblinden beim Blick in die ewige Sonnenhelle.
- Abendlied der Fürstin D 495
- Abendstern D 806
- Abschied D 475
- Alte Liebe rostet nie D 477
- Am See – Friedländer-Version D 124
- Am Strome D 539 – Opus 8 - 4
- An die Freunde D 654
- Antigone und Oedip D 542 – Opus 6 - 2
- Auf der Donau D 553 – Opus 21 - 1
- Auflösung D 807
- Augenlied – Zweite Fassung D 297
- Beim Winde D 669
- Der Alpenjäger – Zweite Fassung D 524
- Der Alpenjäger – Dritte Fassung D 524 – Opus 13 - 3
- Der entsühnte Orest D 699
- Der Hirt D 490
- Der Schiffer – Zweite Fassung D 536 – Opus 21 - 2
- Der Sieg D 805
- Der zürnenden Diana – Zweite Fassung D 707 – Opus 36 - 1
- Die Einsamkeit D 620
- Die Sternennächte D 670 – Opus 165 - 2
- Erlafsee D 586 – Opus 8 - 3
- Fahrt zum Hades D 526
- Freiwilliges Versinken D 700
- Geheimnis. An Franz Schubert D 491
- Gondelfahrer – Erste Bearbeitung D 808
- Heliopolis II D 754
- Liane D 298
- Lied eines Schiffers an die Dioskuren D 360 – Opus 65 - 1
- Liedesend – Zweite Fassung D 473
- Memnon D 541 – Opus 6 - 1
- Nach einem Gewitter D 561
- Nachtstück – Zweite Fassung D 672 – Opus 36 - 2
- Nachtviolen D 752
- Orest auf Tauris D 548
- Philoktet D 540
- Rückweg D 476
- Schlaflied/Schlummerlied – Zweite Fassung D 527 – Opus 24 - 2
- Sehnsucht D 516 – Opus 8 - 2
- Trost D 671
- Uraniens Flucht D 554
- Wie Ulfru fischt – Zweite Fassung D 525 – Opus 21 - 3
- Zum Punsche D 492
Quellenlage
Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch
Ort des Manuskripts:
Die Veröffentlichung besorgte 1826 Cappi & Czerny in Wien als Opus 65 - 3 | Verlagsnummer 221
Der zweite Teil des Manuskripts ist in der Österreichischen Nationalbibliothek online verfügbar.
Noten
Originalversion des Liedes


Quellen
5.1Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Heliopolis I
6.1Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net
Geschrieben von: Peter Schöne







