Gesänge des Harfners aus Wilhelm Meister Nr. 1

Zweite Fassung

D 478 Opus 12 - 1

Johann Wolfgang von Goethe 1970 - 1970

Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Boris Cepeda - Klavier

Aufnahme: Montag, 15. Dezember 2008 | Berlin

Liedtext

Wer sich der Einsamkeit ergibt
Ach! der ist bald allein,
Ein jeder lebt, ein jeder liebt,
Und läßt ihn seiner Pein.

Ja, laßt mich meiner Qual!
Und kann ich nur einmal
Recht einsam sein,
Dann bin ich nicht allein.

Es schleicht ein Liebender lauschend [sacht{Schubert (D.478/2, Erste Fassung): "ach"}]!
Ob seine Freundin allein?
So überschleicht bei Tag und Nacht
Mich Einsamen die Pein,
Mich Einsamen die Qual.
Ach werd ich erst einmal
Einsam in Grabe sein,
Da läßt sie mich allein!

Johann Wolfgang von Goethe
Ölgemälde 1834 von Johann Josef Schmeller
Wikimedia.org - Public domain

Zum Text

Das Lied des Harfners Wer sich der Einsamkeit ergibtstammt, ebenso wie die Figur des Harfenspielers selbst aus Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre. Es findet sich in der Erstausgabe auf den Seiten 348f. im 8. Kapitel des zweiten Buches von Band 1. Die Erstausgabe kann online studiert werden.

Folgende Texte aus Goethes Buch Wilhelm Meisters Lehrjahre wurden von Schubert vertont:

Band 1, 2. Buch, Kap. XI
Der Sänger D.149
Band 1, 2. Buch, Kap. XIII
Wer nie sein Brot mit Tränen aß D.478/2
Band 1, 2. Buch, Kap. XIII
Wer sich der Einsamkeit ergibt D.325, D.478/1
Band 2, 3. Buch, Kap. I
Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühn D. 321
Band 2, 4. Buch, Kap. XI
Nur wer die Sehnsucht kennt D.310, D.359, D.481, D.656 (Quintett), D.877/1 (Duett), D.877/4
Band 3, 5. Buch, Kap. XIV
An die Türen will ich schleichen D.478/3
Band 3, 5. Buch, Kap. XVI
Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen D.726, D877/2
Band 4, 8. Buch, Kap. II
So laßt mich scheinen, bis ich werde D.469, D.727, 877/3

Zur Musik

Komponiert: 1822
Veröffentlichung (angezeigt): 13. Dezember 1822
Originaltonart:  a - moll
Liedform: durchkomponiert
Aufnahmetonart:  g - moll
Schuberts Wohnort 1822

Das Verhältnis zwischen Schubert und Goethe war ambivalent. Während Schubert den 47 Jahre älteren Meister verehrte, hat Letzterer ihn kaum beachtet. Obwohl Goethe einige von Schuberts vertonten Gedichte durch eine Sendung Joseph von Spauns erhielt, gelang es dem Jüngeren nicht, mit seinen Kompositionen bis zu Goethe durchzudringen. Zu fremd waren den Ohren des alten Meisters der Klassik die neuen Klänge. 2.1
1830, zwei Jahre nach Schuberts Tod, soll Goethe den Erlkönig, gesungen von Wilhelmine Schröder-Devrient gehört haben. Ob ihm tatsächlich die Komposition, oder das junge Mädchen gefallen hat, bleibt dahingestellt. 2.2

Schubert vertonte 62 Texte von Goethe, manche sogar mehrmals. Am Ende liegen uns heute fast 80 Kompositionen vor. Viele davon sind Lieder. Einige für mehrere Stimmen und Instrumente.

Franz Schubert war 19, als er den Text zum ersten Mal vertonte. Zum Zeitpunkt der Drucklegung und Erstellung der zweiten Fassung war er 25 Jahre alt.
Die drei Harfner-Lieder wurden als kleiner Zyklus konzipiert und auch als solcher veröffentlicht. Sie stehen alle in derselben Tonart und schließen aneinander an.
Gesang des Harfners I
Gesang des Harfners II
Gesang des Harfners III

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Die Veröffentlichung besorgte 1822 Cappi und Diabelli in Wien als Opus 12 - 1 | Verlagsnummer 1161

Zur Veröffentlichung

Deckblatt Opus 12 4.1
Deckblatt Wiener Zeitung 13. Dezember 1822 4.2

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 04 № 254
Neue Schubert-Ausgabe  IV, Bd. 01
Friedlaender Edition  Bd. 2 » 27
Bärenreiter Urtext Edition  Bd. 1 » 68

Originalversion des Liedes PDF Thumbnail Erstdruck PDF Thumbnail
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