Freiwilliges Versinken

D 700 Nachlass

Johann Baptist Mayrhofer 1970 - 1970

Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Olga Monakh - Klavier

Aufnahme: Freitag, 11. September 2015 | Berlin

Liedtext

[Wohin, o Helios? in]1 Fluthen
Will ich den Flammenleib versenken,
Gewiß im Innern, neue Gluthen
Der Erde [nach Bedarf]2 zu schenken.

Ich nehme [nichs, gewohnt]3 zu geben;
Und wie verschwenderisch mein Leben,
Umhüllt mein Scheiden goldne Pracht,
Ich scheide herrlich, naht die Nacht.

Wie [bleich]4 der Mond, wie matt die Sterne!
So lang ich kräftig mich bewege,
Erst wenn ich [ab die]5 Krone lege,
[Wird ihnen Muth und Glanz in ihrer Ferne.]6

1 Schubert: "Wohin? o Helios! wohin? »In kühlen"
2 Schubert: "feuerreich"
3 Schubert: "nicht, ich pflege nur"
4 Schubert: "blaß"
5 Schubert: "auf die Berge meine"
6 Schubert: "Gewinnen sie an Mut und Kraft in weiter Ferne.«"

Johann Baptist Mayrhofer
Ergänzte Fotografie nach der Sepiazeichnung in Schwinds 'Schubertabend'
Österreichische Nationalbibliothek - Public domain

Zum Text

Johann Mayrhofer veröffentlichte seine Gedichte 1824 bei der eher kleinen Verlagsbuchhandlung Friedrich Volke in Wien. Diese Veröffentlichung ist als Digitalisat in der Österreichischen Nationalbibliothek online studierbar. Das Gedicht trägt den Titel Freywilliges Versinken findet sich auf Seite 175.7

Auf der Seite lieder.net ist nachzulesen, dass Schubert die Gedichte Mayrhofer's üblicherweise als Handschrift erhielt. Dadurch erklären sich auch die vielen Änderungen zur Druckversion des Textes.

Über Helios den Sonnengott kann man sich auf Wikipedia.org informieren. 8

Zur Musik

Komponiert: September 1820
Veröffentlichung (angezeigt): 1831
Originaltonart:  F - Dur
Liedform: durchkomponiert
Aufnahmetonart:  F - Dur
Schuberts Wohnort 1820

Mayrhofer war ein enger Freund Franz Schuberts und wohnte drei Jahre von 1819-1821 gemeinsam mit ihm in einer Wohngemeinschaft. Er schreibt am 23. Februar 1829 im Neuen Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst in seinen Erinnerungen an Franz Schubert:

"Mein Verhältniß mit Franz Schubert wurde dadurch eingeleitet, daß ihm ein Jugendfreund das Gedicht „am See" – es ist das vierte in dem bei Volke 1824 erschienenen Bändchen – zur Komposition übergab. An des Freundes Hand betrat 1814 Schubert das Zimmer, welches wir 5 Jahre später gemeinsam bewohnen sollten. Es befindet sich in der Wipplingerstraße (heute Nr.2).
(...)
Dieses Grundgefühl, und die Liebe für Dichtung und Tonkunſt machten unser Verhältniß inniger; ich dichtete,er komponierte, was ich gedichtet, und wovon Vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung und Verbreitung verdankt." 10

Dieser engen Beziehung verdanken wir 47 Gedichtvertonungen durch Schubert.

Franz Schubert war 23 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Ort des Manuskripts: Wienbibliothek im Rathaus der Stadt Wien

Die Veröffentlichung besorgte 1831 A. Diabelli & Co. in Wien als Nachlass - 11 | Verlagsnummer 3708

Die Erstveröffentlichung besorgte A. Diabelli & Co als elfte Nachlass-Lieferung

Zur Veröffentlichung

Deckblatt Nachlass 11 4.1
Deckblatt Wiener Zeitung 1831 4.2

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 06 № 384
Neue Schubert-Ausgabe  IV, Bd. 12
Friedlaender Edition  Bd. 5 » 47

Originalversion des Liedes PDF Thumbnail Erstdruck PDF Thumbnail
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