Thekla: Eine Geisterstimme

Zweite Bearbeitung - Zweite Fassung

D 595 Opus 88 - 2

Friedrich von Schiller 1970 - 1970

Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Boris Cepeda - Klavier

Aufnahme: Donnerstag, 05. Februar 2009 | Erfurt

Liedtext

Wo ich sei, und wo mich hingewendet,
Als mein flücht'ger Schatte dir entschwebt?
Hab' ich nicht beschlossen und geendet,
Hab' ich nicht geliebet und gelebt?

Willst du nach den Nachtigallen fragen,
Die mit seelenvoller Melodie
Dich entzückten in des Lenzes Tagen?
Nur so lang sie liebten, waren sie.

Ob ich den Verlorenen gefunden?
Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,
Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,
Dort wo keine Thräne wird geweint.

Dorten wirst auch du uns wieder finden,
Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht,
Dort ist auch der Vater frei von Sünden,
Den der blut'ge Mord nicht mehr erreicht.

Und er fühlt, daß ihn kein Wahn betrogen,
Als er aufwärts zu den Sternen sah,
Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen,
Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah.

Wort gehalten wird in jenen Räumen 
Jedem schönen gläubigen Gefühl,
Wage du, zu irren und zu träumen,
Hoher Sinn liegt oft [in kind'schem{Schubert (D 595, 2. Fassung): "im kind'schen"}] Spiel.

Friedrich von Schiller
Ölgemälde ca. 1794 Ludovike Simanowiz
Wikimedia.org - Public domain

Zum Text

Friedrich Schiller veröffentlichte sein 1802 verfasstes Gedicht Thekla. eine Geisterstimme 1803 in der Neuen vom Verfasser selbst besorgte Ausgabe in Leipzig bei Siegfried Lebrecht Crusius S. 31f.

Die Ausgabe kann online recherchiert werden. 1.1

Zur Musik

Komponiert: November 1817
Veröffentlichung (angezeigt): 1827
Originaltonart:  C - Dur
Liedform: A-A-B
Aufnahmetonart:  A - Dur
Schuberts Wohnort 1817

Schubert und Schiller sind sich nie begegnet, denn Schubert war erst 8 Jahre und 3 Monate alt, als Schiller starb. Dennoch prägten die Ideale Schillers auf vielfältige Weise Schuberts Entwicklung zu einem genialen Tonsetzer und inspirierten ihn immer wieder zu Vertonungen.
Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Schubert fast 40 Texte von Schiller in Musik fasste. Dazu zählen die ersten uns bekannten Vertonungen ebenso wie einige der letzten, die er schrieb.
Zählt man alle Fragmente und Entwürfe zusammen, die heute laut Deutschverzeichnis bekannt sind, so kommt man auf nicht weniger als 77 Werke, die uns vorliegen. Die meisten entstanden in der Jugend Schuberts. Allein 66 Kompositionen in der Zeit zwischen 1811 und 1817. In dieser Zeit war Schubert zwischen 14 und 20 Jahre alt. Darunter finden sich so herrliche Stücke wie Gruppe aus dem Tartarus, Der Taucher, Sehnsucht, Die Götter Griechenlands oder Der Pilgrim.

Schubert schrieb am  31. März 1824 einen Brief an Leopold Kupelwieser, der zu dieser Zeit eine Reise nach Italien unternahm. Vielleicht entspringt das folgende Zitat aus diesem Brief der frühen Begeisterung Schuberts und seines Freundeskreises für Schillers Ideen zu ästhetischen Erziehung des Menschen.

Eine Schönheit soll den Menschen durch das ganze Leben begeistern – wahr ist es – doch soll der Schimmer dieser Begeisterung alles andere erhellen. 2.1

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Ort des Manuskripts: Library of Congress

Die Veröffentlichung besorgte 1827 Thaddäus Weigl in Wien als Opus 88 - 2 | Verlagsnummer 2696

Ein Manuskript des Liedes findet sich in der in der Library of Congress Washington D.C. Das Digitalisat kann online studiert werden.

Die Erstveröffentlichung der zweiten Fassung erfolgte als op. 88 bei Thaddäus Weigl.

Erste Bearbeitung
Zweite Bearbeitung - Erste Fassung
Zweite Bearbeitung - Zweite Fassung

Zur Veröffentlichung

Deckblatt Opus 88 4.1
Deckblatt Wiener Zeitung 1827 4.2

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 05 № 334
Neue Schubert-Ausgabe  IV, Bd. 04
Friedlaender Edition  Bd. 2 » 168

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