Abendlied der Fürstin

D 495 Nachlass 1868

Johann Baptist Mayrhofer 1970 - 1970

Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Olga Monakh - Klavier

Aufnahme: Samstag, 25. Juni 2011 | Berlin

Liedtext

Der Abend röthet nun das Thal,
Mild schimmert Hesperus.
Die Buchen stehen still zumahl,
Und leiser rauscht der Fluß.

Die Wolken segeln goldbesäumt
Am klaren Firmament;
Das Herz, es schwelgt, das Herz, es träumt,
Von Erdenqual getrennt.

[Auf grünem{Schubert: Am grünen}] Hügel hingestreckt,
Schläft [sanft{Schubert: wohl}] der Jäger ein -
Doch plötzlich ihn der Donner weckt,
Und Blitze zischen drein.

Wo bist du, heilig Abendrot,
Wo, sanfter Hesperus?
[Es wandelt sich{Schubert: So wandelt denn}] in Schmerz und Not
[Ein{Schubert: Sich}] jeglicher Genuß.

Johann Baptist Mayrhofer
Ergänzte Fotografie nach der Sepiazeichnung in Schwinds 'Schubertabend'
Österreichische Nationalbibliothek - Public domain

Zum Text

Johann Mayrhofer veröffentlichte seine Gedichte 1824 bei der eher kleinen Verlagsbuchhandlung Friedrich Volke in Wien. Diese Veröffentlichung ist als Digitalisat in der Österreichischen Nationalbibliothek online studierbar. Das Gedicht findet sich auf den Seiten 36. 1.1

Der im ersten und letzten Teil besungene Hesperus steht als Synonym für den Abendstern. Hesperos, der ja selbst der Legende nach durch einen Sturm fortgerissen wurde, als er die Sterne beobachten wollte, war vielleicht Auslöser für den stürmischen Mittelteil in diesem Lied. Und ähnlich, wie Hesperos uns heute als Abendstern entschwunden erscheint, endet auch dieser Mittelteil abrupt und es bleibt nur die Erinnerung, musikalisch ausgedrückt durch die Reprise des ersten Teils. 1.2

Zur Musik

Komponiert: November 1816
Veröffentlichung (angezeigt): 1868
Originaltonart:  F - Dur
Liedform: A-B-A'
Aufnahmetonart:  F - Dur
Schuberts Wohnort 1816

Mayrhofer war ein enger Freund Franz Schuberts und wohnte drei Jahre von 1819-1821 gemeinsam mit ihm in einer Wohngemeinschaft. Er schreibt am 23. Februar 1829 im Neuen Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst in seinen Erinnerungen an Franz Schubert:

"Mein Verhältniß mit Franz Schubert wurde dadurch eingeleitet, daß ihm ein Jugendfreund das Gedicht „am See" – es ist das vierte in dem bei Volke 1824 erschienenen Bändchen – zur Komposition übergab. An des Freundes Hand betrat 1814 Schubert das Zimmer, welches wir 5 Jahre später gemeinsam bewohnen sollten. Es befindet sich in der Wipplingerstraße (heute Nr.2).
(...)
Dieses Grundgefühl, und die Liebe für Dichtung­ und Tonkunſt machten unser Verhältniß inniger; ich dichtete,er komponierte, was ich gedichtet, und wovon Vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung und Verbreitung verdankt." ­2.1

Dieser engen Beziehung verdanken wir 47 Gedichtvertonungen durch Schubert.

Schubert war 19 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Der erste Teil und die Reprise stehen im wiegenden 6/8-Takt, dem Schäfer- oder besser in diesem Lied, in dem ja der Jäger entschläft, dem sanft schwingenden Jäger-Rhythmus.

Schubert schrieb in diesem Jahr unter anderem die verschollene Prometheus-Kantate, die beiden Sinfonien Nr. 4 c-Moll (die Tragische) und Nr. 5 B-Dur sowie die Messe Nr. 4 C-Dur.

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Ort des Manuskripts: Staatsbibliothek zu Berlin, preussischer Kulturbesitz

Die Veröffentlichung besorgte 1868 Wilhelm Müller in Berlin als Opus 1868 - 6 | Verlagsnummer 13

Das Autograph liegt in der Staatsbibliothek zu Berlin preußischer Kulturbesitz. Laut thematischem Katalog von Otto Erich Deutsch befindet sich eine Abschrift in der Sammlung Witteczek-Spaun, die heute (leider nicht online als Digitalisat verfügbar) im Musikverein Wien liegt. Heinrich Kreissle von Hellborn nennt das Lied in seiner Schubertbiografie von 1865 als eines der unveröffentlichten Werke unter dem Titel Der Fürstin Abendlied und notiert dort als Enstehungszeit November 1816. 3.0

Die Erstveröffentlichung besorgte Wilhelm Müller, Verlagsnummer 13, Berlin 1868, Ed. Franz Espagne.

Zur Veröffentlichung

Deckblatt 4.1

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 04 № 271

Originalversion des Liedes PDF Thumbnail
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