Der blinde Knabe

Zweite Fassung

D 833 Opus 101 - 3

Jacob Nicolaus Craigher de Jachelutta 1797 - 1855

Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Boris Cepeda - Klavier

Aufnahme: Dienstag, 03. Februar 2009 | Erfurt

Liedtext

O sagt, ihr [Lieben{Schubert Erstdruck: lieber}] mir einmahl,
Welch' Ding ist's, Licht genannt?
Was sind des Sehens Freuden all',
Die niemahls ich gekannt?

Die Sonne, die so hell ihr seht,
Mir Armen scheint sie nie;
Ihr sagt, sie auf- und nieder geht,
Ich weiss nicht wann noch wie.

Ich mach' mir selbst so Tag und Nacht,
Dieweil ich schlaf' und spiel',
Mein inn'res Leben schön mir lacht,
Ich hab' der Freuden viel.

Zwar kenn' ich nicht, was euch erfreut,
Doch drückt mich keine Schuld,
Drum freu' ich mich in meinem Leid
Und trag' es mit Geduld.

Ich bin so glücklich, bin so reich
Mit dem, was Gott mir gab,
Bin wie ein König froh obgleich
Ein armer blinder Knab'.

Erstdruck Lied 

Zum Text

Übersetzung des Gedichts The blind boy von Colley Cibber durch Jakob Nikolaus Craigher de Jachelutta.

Originalgedicht:

O say what is that Thing call’d Light,
Which I must ne’er enjoy;
What are the Blessings of the Sight,
O tell your poor Blind Boy!

You talk of wond'rous things you see;
You say the Sun shines bright:
I feel him warm, but how can he
Then make it Day or Night?

My Day or Night my self I make
When e’er I wake, or play;
And cou'd I ever keep awake
It wou'd be always Day.

With heavy sighs, I often hear,
You mourn my hopeless woe;
But sure with patience I may bear
A loss I ne’er can know.

Then let not what I cannot have
My cheer of mind destroy,
Whilst thus I sing, I am a king,
Altho' a poor Blind Boy!

Die Übersetzung erschien nicht im Druck. Craigher schreibt in seinem Tagebuch am Sonntag, den 23. Oktober 1825:

(...) Schubert ist einen Akkord mit mir eingegangen, vermög welchen ich ihm mehrere Lieder aus englischen, spanischen, französischen und italienischen Klassikern mit deutscher Übersetzung im Metrum des Originals liefern will, die er dann in Musik setzen und mit dem Original Texte auflegen lassen wird. (...)1.1

Zur Musik

Komponiert: April 1825
Veröffentlichung (angezeigt): 25. September 1827
Originaltonart:  B - Dur
Liedform: A-A-B
Aufnahmetonart:  As - Dur
Schuberts Wohnort 1825

Schubert lernte Craigher vermutlich 1824 kennen. Wie bereits bemerkt beschlossen die beiden, Übersetzungen bekannter fremdsprachiger Gedichte als gemeinsames Projekt herauszubringen, vermutlich, um Schubert auch im Ausland bekannter zu machen.

Die Übersetzungen erhielt Schubert handschriftlich.

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Ort des Manuskripts: Wienbibliothek im Rathaus der Stadt Wien

Die Veröffentlichung besorgte 1827 H. A. Probst in Leipzig als Opus 101 - 3 | Verlagsnummer 431

Das Lied erschien am 25. September 1827 (wie insgesamt 12 Lieder) in der "Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode", also als Beilage einer Modezeitung. 
Digitalisat auf den Seiten der Harvard Library

Zur Veröffentlichung

Deckblatt Opus 101 4.1

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 08 № 468
Friedlaender Edition  Bd. 2 » 196
Bärenreiter Urtext Edition  Bd. 4 » 58

Originalversion des Liedes PDF Thumbnail Erstdruck PDF Thumbnail
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