Alinde

D 904 Opus 81 - 1

Friedrich Rochlitz 1970 - 1970

Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Boris Cepeda - Klavier

Aufnahme: Dienstag, 03. Februar 2009 | Erfurt

Liedtext

  Die Sonne sinkt ins tiefe Meer,
Da wollte sie kommen.
Geruhig trabt der Schnitter einher,
Mir ist's beklommen.
Hast, Schnitter, mein Liebchen nicht gesehn?
    Alinde! Alinde! –
»Zu Weib und Kindern muß ich gehn,
Kann nicht nach andern Dirnen sehn;
Sie warten mein unter der Linde.« –

  Der Mond betritt die Himmelsbahn,
Noch will sie nicht kommen.
Dort legt der Fischer das Fahrzeug an,
Mir ist's beklommen.
Hast, Fischer, mein Liebchen nicht gesehn?
    Alinde! Alinde! –
»Muß suchen, wie mir die Reusen stehn,
Hab' nimmer Zeit nach Jungfern zu gehn.
Schau, welch einen Fang ich finde!«

  Die lichten Sterne ziehn herauf,
Noch will sie nicht kommen.
Dort eilt der Jäger in rüstigem Lauf:
Mir ist's beklommen.
Hast, Jäger, mein Liebchen nicht gesehn?
    Alinde! Alinde! –
»Muß nach dem bräunlichen Rehbock gehn,
Hab nimmer Lust nach Mädeln zu sehn:
Dort schleicht er im Abendwinde!« –

  In schwarzer Nacht steht hier der Hain;
Noch will sie nicht kommen.
Von allem Lebendgen irr' ich allein
Bang und beklommen.
Dir, Echo, darf ich mein Leid gestehn:
    Alinde – »Alinde,«
Ließ Echo leise herüberwehn;
Da sah' ich sie mir zur Seite stehn:
»Du suchtest so treu: nun finde!« –

Friedrich Rochlitz
Aquarell von Veit Hanns Schnorr von Carlosfeld
Wikimedia.org - Public domain

Zum Text

Friedrich Rochlitz schrieb 1804 im Alter von 35 Jahren sein Gedicht Alinde.

Das Gedicht Alinde von Friedrich Rochlitz wurde veröffentlicht im Jahr 1805 in Glycine von Friedrich Rochlitz. Erster Theil. Züllichau und Freystadt bey Darnmann. Es findet sich auf Seite 223f..

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Weitere Veröffentlichungen:

Auswahl des Besten aus Friedrich Rochlitz' sämmtlichen Schriften, vom Verfasser veranstaltet, verbessert und herausgegeben. In sechs Bänden. Vierter Band. Züllichau, in der Darnmannschen Buchhandlung., 1822, Seite 153f.

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Zur Musik

Komponiert: Januar 1827
Veröffentlichung (angezeigt): 28. Mai 1827
Originaltonart:  A - Dur
Liedform: Strophenlied mit Variation
Aufnahmetonart:  G - Dur
Schuberts Wohnort 1827

Franz Schubert und Friedrich Rochlitz sind sich 1822 in Wien begegnet. Schubert, der bereits 1812 eine seiner ersten Liederkompositionen auf ein Gedicht von Rochlitz schrieb (Klaglied D 23), verfasste 1827 drei weitere Rochlitz-Lieder.

Die drei Lieder aus op. 81 sind allesamt Abend- bzw. Nachtlieder. Alinde D 904 eröffnet dieses Opus. Es folgt An die Laute D 905 und Zur guten Nacht D 903, einem Lied für Bariton und Männerchor, 

Die Texte stammen für alle drei Lieder von Rochlitz und uns ist bekannt, dass Rochlitz die Lieder durch den Verleger Tobias Haslinger kennenlernte, der op. 81 auch Rochlitz widmete. Rochlitz hatte als Dank einen längeren Brief an Schubert geschrieben und sich für die Vertonungen seiner Texte bedankt. Ebenso empfahl er ihm ein längeres Gedicht von sich zur Vertonung und machte auch gleich ein paar Vorschläge, wie die Vertonung am besten wäre. Schubert hatte nur eine zurückhaltende Antwort zurück geschrieben.

Aus der Berliner allgemeinen musikalischen Zeitung vom 14. Mai 1828

Von Herrn Schubert ist man schon richtige Auffassung der Gedichte und meist originelle Behandlung derselben gewohnt; auch in diesen Liedern bewährt er sich als vorzüglichen Liederkomponisten.
Das Lied: "Alinde," ist hinsichtlich des musikalischen Theiles sehr gut empfunden und dem Gedicht durchaus angemessen; die Steigerung bei dem oft wiederkehrenden Ausruf "Alinde! Alinde!" beurkundet allein schon den kunstgeübten Meister.

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Ort des Manuskripts: Wienbibliothek im Rathaus der Stadt Wien

Die Veröffentlichung besorgte 1827 Tobias Haslinger in Wien als Opus 81 - 1 | Verlagsnummer 5029

 

 

Zur Veröffentlichung

Deckblatt Opus 81 4.1
Deckblatt Wiener Zeitung 28. Mai 1827 4.2

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 04 № 287
Neue Schubert-Ausgabe  IV, Bd. 04
Friedlaender Edition  Bd. 2 » 154
Bärenreiter Urtext Edition  Bd. 3 » 14

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