Antigone und Oedip

D 542 Opus 6 - 2

Johann Baptist Mayrhofer 1970 - 1970

Artists: Peter Schöne - Baritone | Dorota Szczepańska - Sopran | Clara Hyerim Byun - Piano

Recording: Sunday, 10. June 2018 | Hannover

Lyrics

Antigone:

 Ihr hohen Himmlischen erhöret
 Der Tochter herzentströmtes [Flehn{Schubert: "Flehen"}]:
 Laßt einen kühlen Hauch des Trostes
 In [Oedips{Schubert: "des Vaters"}] große Seele wehn.

 Genüget, euren Zorn zu sühnen,
 Dieß junge Leben - nehmt es hin;
 Und [eurer Rache Strahl{Schubert: "euer Rachestrahl"}] vernichte
 Die tief betrübte Dulderin.

 Demütig falte ich die Hände -
 Das Firmament bleibt glatt und rein,
 Und stille ist's, nur laue Lüfte
 Durchschauern noch den alten Hain.

 Was seufzt und stöhnt der bleiche Vater?
 Ich ahn's - ein furchtbares Gesicht
 Verscheucht von ihm den leichten Schlummer;
 Er springt vom Rasen auf - er spricht:

Oedip:
 Ich [träumte{Schubert: "träume"}] einen schweren Traum.
 Schwang nicht den Zepter diese Rechte?
 Doch Hoheit lös'ten starke Mächte
 Dir auf, o Greis, in nicht'gen Schaum.

 Trank ich in schönen Tagen nicht
 In meiner großen Väter Halle,
 Beim Heldensang und Hörnerschalle,
 O Helios, dein golden Licht,

 Das ich nun nimmer schauen kann?
 Zerstörung ruft von allen Seiten:
 "Zum Tode sollst du dich bereiten;
 Dein irdisch Werk ist abgetan."

Johann Baptist Mayrhofer
Ergänzte Fotografie nach der Sepiazeichnung in Schwinds 'Schubertabend'
Österreichische Nationalbibliothek - Public domain

About poem

Die Geschichte handelt von Antigone, die ihren blinden Vater in die Verbannung nach Kolonos bei Athen begleitet. Antigone ist aus der inzestuösen Beziehung ihres Vaters Ödipus mit seiner Mutter Iokaste hervorgegangen. Über den dazugehörigen Mythos kann man sich beispielsweise bei Wikipedia informieren.

Johann Mayrhofer war 30 Jahre alt, als er dieses Gedicht schrieb. Er veröffentlichte seine Gedichte 1824 bei der eher kleinen Verlagsbuchhandlung Friedrich Volke in Wien. Diese Veröffentlichung ist als Digitalisat in der Österreichischen Nationalbibliothek online studierbar. Das Gedicht findet sich auf den Seiten 163-164. 1.1

About music

Written: March 1817
Publishing (announced): 23. August 1821
Original key:  C   major
Songtype: Cantata
Key recorded:  C   major
Schubert's residence 1817

Mayrhofer war ein enger Freund Franz Schuberts und wohnte drei Jahre von 1819-1821 gemeinsam mit ihm in einer Wohngemeinschaft. Er schreibt am 23. Februar 1829 im Neuen Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst in seinen Erinnerungen an Franz Schubert:

Mein Verhältnis mit Franz Schubert wurde dadurch eingeleitet, daß ihm ein Jugendfreund das Gedicht „am See" – es ist das vierte in dem bei Volke 1824 erschienenen Bändchen – zur Komposition übergab. An des Freundes Hand betrat 1814 Schubert das Zimmer, welches wir 5 Jahre später gemeinsam bewohnen sollten. Es befindet sich in der Wipplingerstraße (heute Nr.2).
(...)
Dieses Grundgefühl, und die Liebe für Dichtung und Tonkunst machten unser Verhältnis inniger; ich dichtete,er komponirte, was ich gedichtet, und wovon Vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung und Verbreitung verdankt. 2.1

Dieser engen Beziehung verdanken wir 47 Gedichtvertonungen durch Schubert.

Schubert war 20 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Source situation

Here you can find some informations about sources: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Manuscript location: Bibliothèque nationale de France

The publication procured 1821 Cappi und Diabelli in Wien as Opus 6 - 2 | Publisher Number 790

Eine spätere Auflage (die vierte Ausgabe) der Erstveröffentlichung ist mit einer gestochenen Vignette nach Leopold Kupelwiesers Tuschzeichnung zum Liede "Am Grabe Anselmos" geschmückt.

Deckblatt op.06 Kupelwieser

About publishing

Cover sheet Opus 6 4.1
Cover sheet Wiener Zeitung 23. August 1821 4.2

Scores

Old Schubert Edition, Series  XX, Vol. 05 № 309
New Schubert Edition  IV, Vol. 01
Friedlaender Edition  Bd. 4 » 3
Bärenreiter Urtext Edition  Bd. 1 » 41

Original version PDF Thumbnail First edition PDF Thumbnail
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