Orpheus

Zweite Fassung

D 474 Nachlass

Johann Georg Jacobi 1740 - 1814

Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Olga Monakh - Klavier

Aufnahme: Montag, 11. November 2013 | Berlin

Liedtext

Wälze dich hinweg, du wildes Feuer!
Diese Saiten hat ein Gott gekrönt;
Er, mit welchem jedes Ungeheuer,
Und vielleicht die Hölle sich versöhnt.

Meine Saiten stimmte seine Rechte:
Fürchterliche Schatten, flieht!
Und ihr winselnden Bewohner dieser Nächte,
Horchet auf mein Lied!

Von der Erde, wo die Sonne leuchtet
Und der stille Mond,
Wo der Thau das junge Moos befeuchtet,
Wo Gesang im grünen Felde wohnt;

Aus der Menschen süßem Vaterlande,
Wo der Himmel euch so frohe Blicke gab,
Ziehen mich die schönsten Bande,
Ziehet mich die Liebe selbst herab.

Meine Klage tönt in eure Klage;
Weit von hier geflohen ist das Glück;
Aber denkt an jene Tage,
Schaut in jene Welt zurück!

Wenn ihr da nur einen Leidenden umarmtet,
O so fühlt die Wollust noch einmahl,
Und der Augenblick, in dem ihr euch erbarmtet,
Lindre diese lange Qual!

O ich sehe Thränen fließen!
Durch die Finsternisse bricht
Nun ein Strahl von Hoffnung; ewig büßen
Lassen euch die guten Götter nicht.

Götter, die für euch die Erde schufen,
Werden aus der tiefen Nacht
Euch in selige Gefilde rufen,
Wo die Tugend unter Rosen lacht.

Wälze dich hinweg, du wildes Feuer!
Diese Saiten hat ein Gott gekrönt;
Er, mit welchem jedes Ungeheuer,
Und vielleicht die Hölle sich versöhnt.

Meine Saiten stimmte seine Rechte:
Fürchterliche Schatten, flieht!
Und ihr winselnden Bewohner dieser Nächte,
Horchet auf mein Lied!

Von der Erde, wo die Sonne leuchtet
Und der stille Mond,
Wo der Thau das junge Moos befeuchtet,
Wo Gesang im grünen Felde wohnt;

Aus der Menschen süßem Vaterlande,
Wo der Himmel euch so frohe Blicke gab,
Ziehen mich die schönsten Bande,
Ziehet mich die Liebe selbst herab.

Meine Klage tönt in eure Klage;
Weit von hier geflohen ist das Glück;
Aber denkt an jene Tage,
Schaut in jene Welt zurück!

Wenn ihr da nur einen Leidenden umarmtet,
O so fühlt die Wollust noch einmahl,
Und der Augenblick, in dem ihr euch erbarmtet,
Lindre diese lange Qual!

O ich sehe Thränen fließen!
Durch die Finsternisse bricht
Nun ein Strahl von Hoffnung; ewig büßen
Lassen euch die guten Götter nicht.

Götter, die für euch die Erde schufen,
Werden aus der tiefen Nacht
Euch in selige Gefilde rufen,
Wo die Tugend unter Rosen lacht.

Wälze dich hinweg, du wildes Feuer!
Diese Saiten hat ein Gott gekrönt;
Er, mit welchem jedes Ungeheuer,
Und vielleicht die Hölle sich versöhnt.

Meine Saiten stimmte seine Rechte:
Fürchterliche Schatten, flieht!
Und ihr winselnden Bewohner dieser Nächte,
Horchet auf mein Lied!

Von der Erde, wo die Sonne leuchtet
Und der stille Mond,
Wo der Thau das junge Moos befeuchtet,
Wo Gesang im grünen Felde wohnt;

Aus der Menschen süßem Vaterlande,
Wo der Himmel euch so frohe Blicke gab,
Ziehen mich die schönsten Bande,
Ziehet mich die Liebe selbst herab.

Meine Klage tönt in eure Klage;
Weit von hier geflohen ist das Glück;
Aber denkt an jene Tage,
Schaut in jene Welt zurück!

Wenn ihr da nur einen Leidenden umarmtet,
O so fühlt die Wollust noch einmahl,
Und der Augenblick, in dem ihr euch erbarmtet,
Lindre diese lange Qual!

O ich sehe Thränen fließen!
Durch die Finsternisse bricht
Nun ein Strahl von Hoffnung; ewig büßen
Lassen euch die guten Götter nicht.

Götter, die für euch die Erde schufen,
Werden aus der tiefen Nacht
Euch in selige Gefilde rufen,
Wo die Tugend unter Rosen lacht.

Johann Georg Jacobi
Ölgemälde von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
Wikimedia.org - Public domain

Zum Text

Originaltitel: Lied des Orpheus, als er in die Hölle ging

Das Gedicht Orpheus von Johann Georg Jacobi wurde veröffentlicht im Jahr 1774 in Sæmtliche Werke, von Johann Georg Jacobi Dritter Theil. Es findet sich auf Seite 262f.. -> Digitalisat online

Sæmtliche Werke, von Johann Georg Jacobi Dritter Theil

© Quelle: Bayerische Staatsbibliothek – Digitalisat eines gemeinfreien Werkes Nutzung des Digitalisats ausschließlich zu nicht-kommerziellen Zwecken (PPP)

Weitere Veröffentlichungen:

Sæmtliche Werke, von Johann Georg Jacobi Dritter Theil, 1774, Seite 75f.

Digitalisat online

Zur Musik

Komponiert:  September   1816
Veröffentlichung (angezeigt):  29. Oktober   1832
Originaltonart:  Ges - Dur
Liedform:   Kantate
Aufnahmetonart:  Ges - Dur

Schubert war 19 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Schubert vertonte sieben Texte von Jacobi. Zählt man alle Fassungen zusammen, so liegen uns heute 10 Vertonungen Jacobis vor.

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 04 № 250
Neue Schubert-Ausgabe  IV, Bd. 10
Friedlaender Edition  Bd. 5 » 98

Link zum Manuskript

Link zum ManuskriptLink zum Manuskript auf schubert-online.at

Alte Gesamtausgabe

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Erstdruck

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Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Die Veröffentlichung besorgte 1832 A. Diabelli & Co. in Wien als Nachlass - 19 | Verlagsnummer 4267

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