Frohsinn

Zweite Fassung

D 520 Nachlass

Ignaz Franz Castelli 1970 - 1970

Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Boris Cepeda - Klavier

Aufnahme: Donnerstag, 05. Februar 2009 | Erfurt

Liedtext

Ich bin von lockerem Schlage,
Genieß' ohne Trübsinn die Welt,
Mich drückt kein Schmerz, keine Plage,
Mein Frohsinn würzt mir die Tage;
Ihn hab' ich zum Schild mir gewählt.

Mit Reichthum pflegt man zu prahlen,
Man kaufet sich Freuden dafür,
Schlürft sie aus goldenen Schalen,
I c h  darf die Freuden nicht zahlen;
Denn, wahrlich, sie ruhen in mir.

Das Glück treibt elende Künste,
Steht öfters mit Schurken im Bund;
Lohnt sie mit reichem Gewinnste,
Das kränkt den Mann vom Verdienste; -
I c h  seh' es mit lachendem Mund.

Fortuna pflegt sich zu wenden,
Das hab' ich schon lange gewußt,
Weiß heute Güter zu spenden,
Und morgen sie zu entwenden,
Und doppelt schmerzt dann ihr Verlust.

Cupido mag auf mich zielen,
Ich lache nur seiner Gewalt;
Mit Weibern will ich nur spielen; -
Mir bleibt doch Eine aus Vielen,
Auf diese Art tröst' ich mich bald.

Gelehrte Schnurpfeiffereyen
Sind wahrlich entbehrlicher Tand;
Man kann auf Erden sich freuen
Auch ohne darüber zu schreyen,
Wie, oder woraus sie entstand.

Begier nach Ehren und Würden,
Ist auch nicht entfernet mein Fall,
Mit jeden neueren Zierden
Erscheinen neue Begierden,
Genügsamkeit ist nur ein Schall.

Den Tod mahl' ich nach Gefallen
Als Jüngling mit heiterm Gesicht,
Und muß hinüber ich wallen
In jene düsteren Hallen, -
Wohlan! - Mich schrecken sie nicht.

Nicht Thränenweiden und Krüge
Setzt an meinem Grabe mir dann;
Ein kleiner Stein thut Genüge,
Und sag' dem Wand'rer: Hier liege
Ein freyer, stets fröhlicher Mann.

Ignaz Franz Castelli
Ölgemälde von Friedrich von Amerling
Wikimedia.org - Public domain

Zum Text

Castellis Gedicht Frohsinn (Ein Gesellschaftslied.) erschien zuerst in Selam. Ein Almanach für Freunde des Mannigfaltigen auf das Jahr 1813. Herausgegeben von I. F. Castelli. Wien, gedruckt und im Verlage bey Anton Strauß.

Digitalisat online

Im Zusammenhang mit dem Namen Castelli muss der Name Ludlamshöhle fallen. Unter den Mitgliedern dieser "Unsinnsgesellschaft" finden sich, was nicht weiter verwundert, etliche Persönlichkeiten, die ebenfalls dem Freundeskreis angehörten, der sich um Franz Schubert bildete. 1.1

Zur Musik

Komponiert: Januar 1817
Veröffentlichung (angezeigt): 8. Januar 1850
Originaltonart:  F - Dur
Liedform: Strophenlied
Aufnahmetonart:  F - Dur
Schuberts Wohnort 1817

Castelli und Schubert wurden im April 1823 Ehrenmitglieder des Musikverein für Steiermark. Castelli, der für viele Zeitungen und Zeitschriften tätig war, sorgte für einige Rezensionen von Schuberts Musik beispielsweise in der Dresdner Abend-Zeitung.

Schubert vertonte 4 Texte von ihm. Unter anderem das Libretto zur Oper Die Verschworenen.

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Die Veröffentlichung besorgte 1850 A. Diabelli & Co. in Wien als Nachlass - 45 | Verlagsnummer 8822

Die Veröffentlichung der zweiten Fassung besorgte A. Diabelli & Co., VN 8822 in Wien als Nachlass-Lieferung 45

Zur Veröffentlichung

Deckblatt Nachlass 45 4.1
Deckblatt Wiener Zeitung 8. Januar 1850 4.2

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 05 № 289
Neue Schubert-Ausgabe  IV, Bd. 11
Friedlaender Edition  Bd. 6 » 44

Originalversion des Liedes PDF Thumbnail Erstdruck PDF Thumbnail
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