Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Olga Monakh - Klavier

Aufnahme: Sonntag, 03. Oktober 2010 | Berlin

Liedtext

Sanftes Klavier!
Welche Entzückungen schaffest du mir,
Sanftes Klavier!
Wenn sich die Schönen
Tändelnd verwöhnen,
Weih' ich mich dir,
Liebes Klavier!

Bin ich allein,
Hauch ich dir meine Empfindungen ein,
Himmlisch und rein.
Unschuld und Spiele,
Tugendgefühle
Sprechen aus dir,
Trautes Klavier!

Melancholie,
Martert die Seele der Spielerin nie,
Heiter ist sie.
Tanzende Docken,
Töne, wie Glocken,
Flössen in's Blut
Rosichten Muth.

Sing' ich dazu, 
Goldener Flügel! welch himmlische Ruh
Lispelst mir du!
Thränen der Freude
Netzen die Saite;
Silberner Klang
Trägt den Gesang.

Tugend, ach! dir,
Unschuld, dir weih' ich mein liebes Klavier!
Stimmet es mir!
Engel, ihr Hüter
Frommer Gemüther!
Jeder Ton sey
Dem Himmel treu!

Rausche, o Ton,
Unter geflügelten Fingern davon!
Preise den Sohn,
Den mit Gesängen
Der Sphären, von Klängen
Der Harfen belebt,
Der Seraph erhebt.

Sanftes Klavier!
Welche Entzückungen [schaffest du]1 mir,
Goldnes Klavier!
Wenn mich im Leben
Sorgen umschweben,
Töne du mir,
Trautes Klavier!

Christian Friedrich Daniel Schubart
Ölgemälde von August Friedrich Ölenhainz
Wikimedia.org - Public domain

Zum Text

Christian Friedrich Daniel Schubart lebte in einer Zeit, in der Würtembergs Absolutismus seinen Höhepunkt erreichte. Der Dichter und Musiker selbst wurde 1777 Opfer von Umerziehungsmaßnahmen des regierenden Fürsten Karl Eugen. 10 Jahre, bis 1787 wurde er aufgrund seiner scharfen Kritik an Adel und Klerus gefangen gehalten. Schubarts aufklärerisches Gedankengut stand in klarem Gegensatz zum absolutistischen Bestreben Karl Eugens. Diese Gedanken der Aufklärung, setzten sich im 18. Jahrhundert jedoch in ganz Europa durch und führten Ende des 18. Jahrhunderts unter anderem zur französischen Revolution.

Das Gedicht An mein Klavier von Christian Friedrich Daniel Schubart wurde veröffentlicht im Jahr 1785 in Chr. Daniel Friedrich Schubarts Gedichte aus dem Kerker. Mit allerhöchst-gnädigst Kaiserl. Privilegio. Carlsruhe, bey Christian Gottlieb Schmieder. Es findet sich auf Seite 300ff..

Digitalisat online

Zur Musik

Komponiert: 1816
Veröffentlichung (angezeigt): 1885
Originaltonart:  A - Dur
Liedform: Strophenlied
Aufnahmetonart:  F - Dur
Schuberts Wohnort 1816

Franz Schubert vertonte 4 Gedichte von Schubart. Das vorliegende Lied schrieb er im Alter von 19 Jahren.

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Die Veröffentlichung besorgte 1885 Max Friedlaender (C.F.Peters) in Leipzig als Opus 1885 - 9

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 04 № 238
Neue Schubert-Ausgabe  IV, Bd. 10
Friedlaender Edition  Bd. 7 » 23

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