Composer: Franz Schubert (1797-1828) Author: Franz von Schober (1796-1882)

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Artists: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Recorded: Saturday, 21 June 2008 - Berlin



Lyrics

heutige Schreibweise

»Der Friede sey mit euch!« das war dein Abschiedssegen.
Und so vom Kreis der Gläubigen umkniet,
Vom Siegesstrahl der Gottheit angeglüht,
Flogst du dem ew'gen Heimathland entgegen. -
  Und Friede kam in ihre treuen Herzen,
  Und lohnte sie in ihren [höchsten]1.1 Schmerzen,
  Und stärkte sie in ihrem Martertod.
  Ich glaube dich, du großer Gott!

[]1.5 Der Friede sey mit euch! rufst du im Rosenglühen
Des Himmels uns an jedem Abend zu,
Wenn alle Wesen zur [erwünschten]1.2 Ruh
Vom harten Gang des schwülen Tages ziehen;
  Und Berg und Thal und Strom und [Meereswogen]1.3,
  Vom weichen Hauch des Nebels überflogen,
  Noch schöner werden unterm milden Roth;
  Ich liebe dich, du guter Gott!

[]1.5 Der Friede sey mit euch! so lacht die erste Blume
Des jungen Frühlings uns vertraulich an,
Wenn sie, mit allen Reizen angethan,
Sich bildet in der Schöpfung Heiligthume.
  Wen sollte auch nicht Friede da umschweben,
  Wo Erd und Himmel ringsum sich beleben,
  Und alles aufsteht aus des Winters Tod[?]1.4
  Ich hoff' auf dich, du starker Gott!

1.1 Schubert "größten"
1.2 Schubert (in den alten Druckausgaben) "ersehnten"
1.3 Schubert "Seeswogen"
1.4 Erstdruck Ausrufungszeichen statt Fragezeichen
1.5 Strophe 2 und 3 vertauscht im Erstdruck

Sources & alternative Compositions: www.lieder.net

Creation

Written: April 1817

Published: 21. April 1831

Key: F-Major

Schema: Strophenlied

Characteristic:

Zum Text

Textbild
Franz von Schober vor Schloss Torup
Gemälde von Leopold Kupelwieser

Franz Schubert und Franz von Schober waren innigst miteinander befreundet. Sie wohnten ab 1818 mit einigen Unterbrechungen zusammen in Schobers Wohnung Tuchlauben 20, Landskrongasse 5 im ersten Wiener Bezirk (Ansicht vor 1905). Schober war mit vielen künstlerischen Persönlichkeiten bekannt und trug viel dazu bei, dass sich Schuberts Werk zu seinen Lebzeiten und darüber hinaus verbreitete.
Heute liegen uns 13 Vertonungen der Gedichte Schobers als Sololied vor. Vermutlich setzte Schubert die Gedichte sofort oder kurz nach ihrer Entstehung in Musik.
Das Lied Augenblicke im Elysium ging verloren, bevor es in den ersten allgemeinen Sammlungen Schubertscher Lieder Einzug halten konnte. Es findet sich lediglich ein Hinweis in der zweiten vermehrten Auflage der Gedichte Schobers (Leipzig, 1865). Dort heißt es im Untertitel zum Gedichte "Von Franz Schubert in Musik gesetzt".2.1
Eine Ausgabe mit Gedichten Franz von Schobers erschien erst 1842 nach dem Tod von Franz Schubert bei der Cotta’schen Buchhandlung Tübingen. Ein Digitalisat dieser Ausgabe ist auf den Seiten der Österreichischen Nationalbibliothek online verfügbar.2.2

Zur Musik

Obwohl das Lied in den gedruckten Ausgaben jeweils die drei Strophen von Schober enthält, ist im Manuskript nur eine Strophe zu finden. Schubert schrieb auch keine Wiederholungszeichen. Daher ist davon auszugehen, dass Schubert in seiner Komposition nur die erste Strophe meinte.
Wir haben uns trotzdem entschieden, alle drei Strophen aufzunehmen.
Bereits im Erstdruck wurden alle drei Strophen abgedruckt. Strophe 2 und 3 waren dabei, wie auch in späteren Ausgaben dieses Liedes vertauscht um die Worte "Glaube, Hoffnung, Liebe" hervorzuheben (in Anlehnung an die Bibel 1. Korither 13,13 "Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.")

Das Lied wurde am 21. November 1828 bei der Beerdigung Schuberts mit einem von Schober umgedichteten Text von einem Sängerchor gesungen:

"Der Sarg wurde vom Sterbehause weg von jungen Männern (Beamten und Studierenden) getragen. Franz von Schober war von Schuberts Verwandten als nächster Leidtragender ausersehen worden, und hatte auf die Melodie des Schubert'schen Pax vobiscum, die im Anhang befindlichen Strophen gedichtet. In der kleinen Pfarrkirche executirte ein Sängerchor unter Leitung des Domcapellmeisters Gänsbacher eine von diesem componirte Trauermotette und das oben erwähnte Pax vobiscum mit Begleitung von Blasinstrumenten." 3.1
"Am 21. November, Nachmittags ½3 Uhr, fand sein Leichenbegängnis statt. Junge Männer, Beamte und Studirende trugen den Sarg nach der kleinen Pfarrkirche und dort unter Absingung einer von dem Domcapellmeister Gänsbacher componirten Trauermotette und des Schubert’schen „Pax vobiscum“ (Lieferung 10, Nr. 6), zu welchem Schober einen neuen, entsprechenden Text gedichtet, erfolgte die Einsegnung. Die Leiche sollte nach dem Matzleinsdorfer Gottesacker gebracht werden. Aber über Verwendung seines Bruders Ferdinand, der aus einzelnen, schon im halbbewußtlosen Zustande gemachten Aeußerungen des Verewigten zu entnehmen glaubte: er wünsche neben Beethoven zu ruhen, wurde der Sarg nach dem Ortsfriedhofe in Währing geführt, wo er, nur durch drei Gräber von Beethoven getrennt, bestattet wurde." 3.2

Das Text lautete:

Der Friede sei mit dir, du engelreine Seele!
Im frischen Blüh'n der vollen Jugendkraft
hat dich der Strahl des Todes hingerafft,
daß er dem reinen Lichte dich vermähle,
dem Licht, von dem hienieden schon durchdrungen,
dein Geist in heil'gen Tönen uns gesungen,
das dich geweckt, geleitet und entflammt,
dem Lichte, das von Gott nur stammt.

O sieh, verklärter Freund, herab auf unsre Zähren,
vergib den Schmerz der schwachen Menschenbrust
wir sind beraubt, wir litten den Verlust;
du schwebst befreit in heimatlichen Sphären.
Für viele Rosen hat dies Erdenleben
dir scharfe Dornen nur zum Lohn gegeben,
ein langes Leiden und ein frühes Grab, -
dort fallen alle Ketten ab!

Und was als Erbteil du uns hast zurückgelassen:
das Wirken heißer Liebe, heißer Kraft,
die heilge Wahrheit, groß und unerschlafft,
wir wollen's tief in unsre Seelen fassen.
Was du der Kunst, den Deinen du geworden,
ist offenbart in himmlischen Akkorden.
Und wenn wir nach den süßen Klängen gehen,
dann werden wir dich wiedersehen! 3.1

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Ein Manuskript dieses Liedes liegt in der Wiener Stadtbibliothek und kann online studiert werden.

Die Erstausgabe der ersten Fassung besorgte A.Diabelli&Co. als Nachlaß-Lieferung Nr. 10 4.1

Dem Unendlichen D 291
Die Gestirne D 444
Das Marienbild D 623
Vom Mitleiden Mariä D 632
Pax Vobiscum D 551
Gebet während der Schlacht D 171
Himmelsfunken D 651

In Musik gesetzt für eine Singstimme mit Pianoforte-Begleitung von Franz Schubert.

Deckblatt Nachlass 10

Aus der k.k. Wiener Zeitung vom 21. April 1831 4.2
Wiener Zeitung 1831 04 21


Sources

2.1 Schober, Franz von: Gedichte, Leipzig: Verlag Weber, zweite vermehrte Auflage, 1865, S. 228

2.2 Schober, Franz von: Gedichte. Stuttgart: Cotta'scher Verlag 1842, Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Sig. 539171-B

3.1 Kreissle von Hellborn, Heinrich: Franz Schubert. Wien: Carl Gerold's Sohn, 1865. S.454

3.2 Wurzbach, Constantin von: Biographische Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Bd. 32, Wien 1876 Verlag der k.k. Hof- und Staatsdruckerei, S. 43

4.1 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Originalscans der Erstdrucke der Schubertlieder

4.2 ANNO / Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Österreichisch-kaiserliche privilegierte Wiener Zeitung Jhg. 1831, Ausgabe vom 21. April, S.5

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.320


Geschrieben von: Peter Schöne

Score

Friedlaender Bd. II » 213

Manuscript
schubertmanu

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Source of score imslp.org: Pax Vobiscum.pdf