Composer: Franz Schubert (1797-1828) Author: Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834)

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Artists: Peter Schöne - Bariton / Ralph Neubert - Piano
Recorded: Monday, 13 June 2011 - Erfurt



Lyrics

heutige Schreibweise

Das Fischergewerbe
Gibt rüstigen Mut!
Wir haben zum Erbe
Die Güter der Flut.
Wir graben nicht Schätze,
Wir pflügen kein Feld;
Wir ernten im Netze,
Wir angeln uns Geld.

Wir heben die Reusen
Den Schilfbach entlang,
Und ruhn bei den Schleusen,
Zu sondern den Fang.
Goldweiden beschatten
Das moosige Dach;
Wir schlummern auf Matten
Im kühlen Gemach.

Mit roten Korallen
Prangt Spiegel und Wand,
Den Estrich der Hallen
Deckt silberner Sand.
Das Gärtchen daneben
Grünt, ländlich umzäunt
Von kreuzenden Stäben
Mit Baste vereint.

Im Antlitz der Buben
Lacht mutiger Sinn;
Sie meiden die Stuben
Bei Tagesbeginn;
Sie tauchen und schwimmen
Im eisigen See,
Und barfuß erklimmen
Sie Klippen von Schnee.

Die Töchter [ergötzen]1.1
Sich Abends bei Licht,
[Wann]1.2 alles an Netzen
Und Maschenwerk flicht.
Oft wird mit Gelächter
Durchmustert das Dorf;
Die Mutter, als Wächter,
Schürt nickend den Torf.

Oft rudern wir ferne
Im wiegenden Kahn;
Dann blinken die Sterne
So freundlich uns an;
Der Mond aus den Höhen,
Der Mond aus dem Bach,
So schnell wir entflöhen,
Sie gleiten uns nach.

Wir trotzen dem Wetter,
Das finster uns droht,
[Wann]1.2 schöpfende Bretter
Kaum hemmen den Tod.
Wir [trotzen]1.3 auch Wogen
Auf krachendem Schiff,
In Tiefen gezogen,
Geschleudert ans Riff!

Der Herr, der in Stürmen
Der Mitternacht blitzt,
Vermag uns zu schirmen,
Und kennt, was uns nützt.
Gleich unter dem Flügel
Des Ewigen ruht
Der Rasengruft Hügel,
Das Grab in der Flut.

1.1 Salis-Seewis (1792 und Wien 1815), Schubert: "ergetzen"
1.2 Salis (Wien 1815 edition), and Schubert: "Wenn"
1.3 Salis (1792): "trozten(sic!)"

Sources & alternative Compositions: www.lieder.net

Creation

Written: 1816

Published: 1895

Key: D-Major

Schema: Strophenlied

Characteristic:

Zum Text

Textbild
Johann Heinrich Lips
Salis-Seewis 1800

Das Fischerlied wurde zum ersten Mal im Musen-Almanach für 1792, herausgegeben von Johann Heinrich Voß auf Seite 96ff. veröffentlicht. 2.1

Johann Gaudenz von Salis-Seewis und Friedrich Matthisson verband eine lebenslange Freundschaft. Matthisson besorgte 1793 die Veröffentlichung der Gedichte von Salis-Seewis in Zürich. Bei Orell, Gessner, Füssli & Comp. auf den Seiten 71ff. erscheint das Fischerlied. Ein Digitalisat dieser Veröffentlichung kann man als Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek online studieren. 2.2 & 2.3

Zur Musik

Schubert vertonte insgesamt 15 Texte von Salis-Seewis.
Zählt man alle Fassungen und Bearbeitungen der Texte zusammen kommt man auf fast 30 Kompositionen, die uns heute vorliegen.

In der Österreichischen Nationalbibliothek findet man in den meisten Fällen die Gedichtvorlagen aus Wien aus den Jahren 1814-1828, die Schubert vermutlich für seine Vertonungen verwendet hat.
Im vorliegenden Fall wird vielleicht die 172 Seiten starke Neueste Auflage der Gedichte von Johann Gaudenz von Salis-Seewis herausgegeben bei Bernhard Philipp Bauer Wien aus dem Jahr 1815 als Vorlage gedient haben. Das Gedicht Fischerlied steht dort auf der Seite 54ff. 3.1 

Schubert war 19 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb. In diesem Jahr schrieb er unter anderem auch die verschollene Prometheus-Kantate, die beiden Sinfonien Nr. 4 c-Moll (die Tragische) und Nr. 5 B-Dur sowie die Messe Nr. 4 C-Dur.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstveröffentlichung der ersten Bearbeitung des Liedes besorgte Eusebius Mandyczewski im Rahmen der Alten Gesamtausgabe (AGA)


Geschrieben von: Peter Schöne

Score

original version

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Source of score imslp.org: Fischerlied.pdf