Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Mittwoch, 14. Januar 2009 - Berlin



Liedtext

Auf der Wellen Spiegel
Schwimmt der Kahn.
Alte Burgen ragen
Himmelan;
Tannenwälder rauschen
[Geistergleich -]1.1
Und das Herz im Busen
Wird uns weich.

Denn der Menschen Werke
Sinken all';
Wo ist [Thurm und]1.2 Pforte,
Wo der Wall,
Wo sie selbst, die Starken?
Erzgeschirmt,
Die in Krieg und Jagden
Hingestürmt.

Trauriges Gestrüppe
Wuchert fort,
Während frommer Sage
Kraft verdorrt.
Und im kleinen Kahne
Wird uns bang -
Wellen droh'n, wie Zeiten,
Untergang.

1.1 Mayrhofer (1818 Edition): "Geistern gleich,"
1.2 Schubert: "Thurm, wo"

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: April 1817

Veröffentlichung (angezeigt): 19. Juni 1823

Originaltonart: Es-Dur

Liedform: A-B-A'

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Johann Mayrhofer

Johann Mayrhofer veröffentlichte seine Gedichte 1824 bei der eher kleinen Verlagsbuchhandlung Friedrich Volke in Wien. Diese Veröffentlichung ist als Digitalisat in der Österreichischen Nationalbibliothek online studierbar. Das Gedicht findet sich auf den Seiten 18. 2.1

Es wurde aber bereits 1818 im Mahlerischen Taschenbuch für Freunde interessanter Gegenden: Natur- und Kunst-Merkwürdigkeiten der Österreichischen Monarchie veröffentlicht. Ein Digitalisat dieses Drucks findet sich im Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek. 2.2
In dieser Veröffentlichung erschien auch als Beilage nach S. 186 das erste jemals gedruckte Lied Franz Schuberts Erlafsee D 586.2.3

Mayrhofer soll unglücklich verliebt gewesen sein in Mina (Wilhelmine Watteroth, die Tochter seines Professors Heinrich Josef Watteroth). 2.4
Diese heiratete jedoch später Josef Wilhelm Witteczek, der ebenfalls Jura bei Heinrich Josef Watteroth studiert hatte. 2.5

Zur Musik

Mayrhofer war ein enger Freund Franz Schuberts und wohnte drei Jahre von 1819-1821 gemeinsam mit ihm in einer Wohngemeinschaft. Er schreibt am 23. Februar 1829 im Neuen Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst in seinen Erinnerungen an Franz Schubert:

"Mein Verhältniß mit Franz Schubert wurde dadurch eingeleitet, daß ihm ein Jugendfreund das Gedicht „am See" – es ist das vierte in dem bei Volke 1824 erschienenen Bändchen – zur Komposition übergab. An des Freundes Hand betrat 1814 Schubert das Zimmer, welches wir 5 Jahre später gemeinsam bewohnen sollten. Es befindet sich in der Wipplingerstraße (heute Nr.2).
(...)
Dieses Grundgefühl, und die Liebe für Dichtung und Tonkunſt machten unser Verhältniß inniger; ich dichtete,er komponierte, was ich gedichtet, und wovon Vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung und Verbreitung verdankt." 3.1

Dieser engen Beziehung verdanken wir 47 Gedichtvertonungen durch Schubert.

Franz Schubert war 20 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

In der Leipziger "Allgemeinen musikalischen Zeitung" vom 24. Juni 1824 erscheint eine Rezension der Lieder op. 21 - op. 24.
Diese Rezension ist als Digitalisat ist im Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek online verfügbar.
Der Rezensent Gottfried Wilhelm Fink bemerkt, daß Schubert keine Lieder schreibt und auch keine schreiben will, sondern freie Gesänge, manche so frei, daß man sie allenfalls Kapricen oder Phantasien nennen kann. Er bemängelt bei Schubert die

ungebührlich heftige Neigung, nur immer fort und fort, ruh- und rastlos zu modulieren und wieder zu modulieren, die eine wahre Krankheit der Zeit und bald zur Modulationsmanie geworden ist. 3.2

Er führt dies an einigen Beispielen in op. 21, 22 und 23 aus und spart dabei auch nicht mit Verbesserungsvorschlägen.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erst-Veröffentlichung besorgte Sauer & Leidesdorf als op. 21: 4.1

Auf der Donau. D 533
Der Schiffer. D 536
Wie Ulfru fischt. D 525
von Johann Mayerhofer.

Für eine Baßstimme mit Begleitung des Pianoforte in Musick gesetzt
und dem Verfasser der Gedichte gewidmet
von seinem Freunde
Franz Schubert.

Aus der amtlichen "Wiener Zeitung" vom 19. Juni 1823 4.2

In der k. k. privel. Kunst-, Alabsater- und Musikalienhandlung
von Sauer und Leidesdorf
in Wien, Kärntnerstraße Nr. 941, ist so eben neu erschienen:

Auf der Donau. Der Schiffer.
Wie Ulfru fischt.

Gedichte von J. Mayrhofer
In Musik gesetzt für eine Baßstimme, mit Begleitung des Pianoforte
von
Franz Schubert.

21tes Werk. Preis 1 fl. 30 kr W. W.


Quelle(n)

2.1 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Gedichte von Johann Mayrhofer, Wien, Verlag Friedrich Volke, 1824, Sig. 71.Bb.5.(Vol.1)

2.2 Münchener Digitalisierungszentrum, Mahlerisches Taschenbuch für Freunde interessanter Gegenden: Natur- und Kunst-Merkwürdigkeiten der Österreichischen Monarchie, Verlag Doll, Wien 1818 Sig.: Rar. 1604-6

2.3 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Mahlerisches Taschenbuch für Freunde interessanter Gegenden: Natur- und Kunst-Merkwürdigkeiten der Österreichischen Monarchie, Verlag Doll, Wien 1818 Signatur:SH.Varia.118.Adl.

2.4 Wikipedia contributors. "Johann Mayrhofer." Wikipedia, The Free Encyclopedia. Wikipedia, The Free Encyclopedia, 28 Oct. 2018. Web. 18 Sep. 2019.

2.5 Franz Schubert and His World, Band 37 The Bard Music Festival, Herausgeber Christopher H. Gibbs, Morten Solvik, Verlag Princeton University Press, 2014 S. 109

3.1 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Neues Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst, Signatur: 392789-C.20.21 

3.2 Bayerische Staatsbibliothek, Digitale Sammlungen, Rochlitz, Friedrich, Allgemeine musikalische Zeitung, Leipzig; Winterthur 1824

4.1 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Sauer und Leidesdorf, Erstdruck op. 21, Sig. SH.Schubert.95

4.2 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, ANNO, Österreichisch-kaiserliche privilegierte Wiener Zeitung Jhg. 1823, Ausgabe vom 19. Juni, S.4

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.321


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 05, Nr. 317

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 01

Bärenreiter Urtext II » 118

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle imslp.org o.a.: Auf der Donau.pdf