Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Ralph Neubert - Piano
Aufnahme: Dienstag, 14. Juni 2011 - Erfurt



Liedtext

heutige Schreibweise

[Dieses Tauris?]1 wo der Eumeniden
Wut zu stillen, [Pythius]2 versprach?
Weh, die Schwestern mit den Schlangenhaaren
Folgen mir vom Land der Griechen nach!
Rauhes Eiland, kündest keinen Segen:
Nirgends sproßt der Ceres [goldne]3 Frucht.
Keine Reben blühn, der Lüfte Sänger,
Wie die Schiffe, meiden diese Bucht.

Steine fügt die Kunst nicht zu Gebäuden,
Zelte spannt des Scythen Armut sich;
Unter starren Felsen, rauhen [Wäldern]4
Ist das Leben einsam, schauerlich!
[»Allhier soll,«]5 so ist ja doch ergangen
An den Flehenden der [heil'ge]6 Spruch:
[»Soll die Bogenspannerin Diana
Lösen deinen und der Väter Fluch.«]7

1 Schubert: "Ist dies Tauris,"
2 Schubert: "Pythia"
3 Schubert: "milde"
4 Schubert: "Felsen"
5 Schubert: "Und hier soll,"
6 Schubert: "heilige"
7 Schubert: "Eine hohe Priesterin Dianens / Lösen meinen und der Väter Fluch."

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: 19. März 1817

Veröffentlichung (angezeigt): 21. April 1831

Originaltonart: Es-Dur

Liedform: durchkomponiert

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Johann Mayrhofer

Johann Mayrhofer veröffentlichte seine Gedichte 1824 bei der eher kleinen Verlagsbuchhandlung Friedrich Volke in Wien. Diese Veröffentlichung ist als Digitalisat in der Österreichischen Nationalbibliothek online studierbar. Das Gedicht trägt den Titel Der landende Orest und findet sich auf Seite 159.8

Auf der Seite lieder.net ist nachzulesen, dass Schubert die Gedichte Mayrhofer's üblicherweise als Handschrift erhielt. Dadurch erklären sich auch die vielen Änderungen zur Druckversion des Textes.

Über die mythologische Geschichte des Orest kann man sich auf Wikipedia.org informieren. Das Gedicht beschreibt die Landung des Orest auf Tauris, wo er versucht, durch seine Taten ganz von den Erinnyen befreit und entsühnt zu werden. Diese hatten ihn befallen, nachdem er seine Mutter Klytaimnestra tötete. Das Gedicht steht inhaltlich in Zusammenhang mit Der entsühnte Orest D 699. 9

Zur Musik

Mayrhofer war ein enger Freund Franz Schuberts und wohnte drei Jahre von 1819-1821 gemeinsam mit ihm in einer Wohngemeinschaft. Er schreibt am 23. Februar 1829 im Neuen Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst in seinen Erinnerungen an Franz Schubert:

"Mein Verhältniß mit Franz Schubert wurde dadurch eingeleitet, daß ihm ein Jugendfreund das Gedicht „am See" – es ist das vierte in dem bei Volke 1824 erschienenen Bändchen – zur Komposition übergab. An des Freundes Hand betrat 1814 Schubert das Zimmer, welches wir 5 Jahre später gemeinsam bewohnen sollten. Es befindet sich in der Wipplingerstraße (heute Nr.2).
(...)
Dieses Grundgefühl, und die Liebe für Dichtung und Tonkunſt machten unser Verhältniß inniger; ich dichtete,er komponierte, was ich gedichtet, und wovon Vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung und Verbreitung verdankt." 10

Dieser engen Beziehung verdanken wir 47 Gedichtvertonungen durch Schubert.

Franz Schubert war 20 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Ein Manuskript des Liedes liegt in der Österreichischen Nationalbibliothek. Es kann online recherchiert werden.

Die Erstveröffentlichung besorgte A. Diabelli & Co als elfte Nachlass-Lieferung 11

Orest auf Tauris D 548
Der entsühnte Orest D 699
Philoctet D 540
Freiwilliges Versinken D 700

Gedichte von J. Mayrhofer. In Musik gesetzt für eine Singstimme mit Begleitung des Piano=Forte von Franz Schubert.

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 21. April 1831: 12


Quelle(n)

8 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Gedichte von Johann Mayrhofer, Wien, Verlag Friedrich Volke, 1824, Sig. 71.Bb.5.(Vol.1)

9 Seite „Orestes“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. Oktober 2018, 13:41 UTC

10 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Neues Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst, Sig. 392789-C.20.21

11 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Ant. Diabelli und Comp., 1831 Erstdruck Nachlass 11, Sig. SH.Schubert.530

12 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, ANNO, Österreichisch-kaiserliche privilegierte Wiener Zeitung Jhg. 1831, Ausgabe vom 21. April, Seite 5

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.318


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 06, Nr. 382

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 11

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle imslp.org o.a.: Orest auf Tauris.pdf