Szene aus Goethe's Faust

Zweite Fassung

D 126 Estate

Johann Wolfgang von Goethe 1749 - 1832

Artists: Peter Schöne - Baritone | Dorota Szczepańska - Sopran | Clara Hyerim Byun - Piano

Recording: Saturday, 09. June 2018 | Hannover

Lyrics

Dom. Amt, Orgel und Gesang. Gretchen unter
vielem Volke. Böser Geist hinter Gretchen.

Böser Geist
Wie anders, Gretchen, war dir's,
Als du noch voll Unschuld
Hier zum Altar trat'st,
Aus dem vergriffnen Büchelchen
Gebete lalltest,
Halb Kinderspiele,
Halb Gott im Herzen!
Gretchen!
Wo steht dein Kopf?
In deinem Herzen,
Welche Missethat?
Bet'st du für deiner Mutter Seele, die
Durch dich zur langen, langen Pein hinüberschlief?
Auf deiner Schwelle wessen Blut?
- Und unter deinem Herzen
Regt sich's nicht quillend schon,
Und ängstet dich und sich
Mit ahnungsvoller Gegenwart?

Gretchen
Weh! Weh!
Wär' ich der Gedanken los,
Die mir herüber und hinüber gehen
Wider mich!

Chor
Dies irae, dies illa
Solvet saeclum in favilla.

Böser Geist
Grimm faßt dich!
Die Posaune tönt!
Die Gräber beben!
Und dein Herz,
Aus Aschenruh'
Zu Flammenqualen
Wieder aufgeschaffen,
Bebt auf!

Gretchen
Wär' ich hier weg!
Mir ist als ob die Orgel mir
Den Athem versetzte,
Gesang mein Herz
Im Tiefsten lös'te.

Chor
Judex ergo cum sedebit,
Quidquid latet adparebit,
Nil inultum remanebit.

Gretchen
Mir wird so eng!
Die Mauern-Pfeiler
Befangen mich!
Das Gewölbe
Drängt mich! - Luft!

Böser Geist
Verbirg dich! Sünd' und Schande
Bleibt nicht verborgen.
Luft? Licht?
Weh dir!

Chor
Quid sum miser tunc dicturus?
Quem patronum rogaturus?
Cum vix justus sit securus.

Böser Geist
Ihr Antlitz wenden
Verklärte von dir ab.
Die Hände dir zu reichen,
Schauert's den Reinen.
Weh!

Chor
Quid sum miser tunc dicturus?

Gretchen
Nachbarin! Euer Fläschchen! --

Sie fällt in Ohnmacht.

Dom. Amt, Orgel und Gesang. Gretchen unter
vielem Volke. Böser Geist hinter Gretchen.

Böser Geist
Wie anders, Gretchen, war dir's,
Als du noch voll Unschuld
Hier zum Altar trat'st,
Aus dem vergriffnen Büchelchen
Gebete lalltest,
Halb Kinderspiele,
Halb Gott im Herzen!
Gretchen!
Wo steht dein Kopf?
In deinem Herzen,
Welche Missethat?
Bet'st du für deiner Mutter Seele, die
Durch dich zur langen, langen Pein hinüberschlief?
Auf deiner Schwelle wessen Blut?
- Und unter deinem Herzen
Regt sich's nicht quillend schon,
Und ängstet dich und sich
Mit ahnungsvoller Gegenwart?

Gretchen
Weh! Weh!
Wär' ich der Gedanken los,
Die mir herüber und hinüber gehen
Wider mich!

Chor
Dies irae, dies illa
Solvet saeclum in favilla.

Böser Geist
Grimm faßt dich!
Die Posaune tönt!
Die Gräber beben!
Und dein Herz,
Aus Aschenruh'
Zu Flammenqualen
Wieder aufgeschaffen,
Bebt auf!

Gretchen
Wär' ich hier weg!
Mir ist als ob die Orgel mir
Den Athem versetzte,
Gesang mein Herz
Im Tiefsten lös'te.

Chor
Judex ergo cum sedebit,
Quidquid latet adparebit,
Nil inultum remanebit.

Gretchen
Mir wird so eng!
Die Mauern-Pfeiler
Befangen mich!
Das Gewölbe
Drängt mich! - Luft!

Böser Geist
Verbirg dich! Sünd' und Schande
Bleibt nicht verborgen.
Luft? Licht?
Weh dir!

Chor
Quid sum miser tunc dicturus?
Quem patronum rogaturus?
Cum vix justus sit securus.

Böser Geist
Ihr Antlitz wenden
Verklärte von dir ab.
Die Hände dir zu reichen,
Schauert's den Reinen.
Weh!

Chor
Quid sum miser tunc dicturus?

Gretchen
Nachbarin! Euer Fläschchen! --

Sie fällt in Ohnmacht.

Dom. Amt, Orgel und Gesang. Gretchen unter
vielem Volke. Böser Geist hinter Gretchen.

Böser Geist
Wie anders, Gretchen, war dir's,
Als du noch voll Unschuld
Hier zum Altar trat'st,
Aus dem vergriffnen Büchelchen
Gebete lalltest,
Halb Kinderspiele,
Halb Gott im Herzen!
Gretchen!
Wo steht dein Kopf?
In deinem Herzen,
Welche Missethat?
Bet'st du für deiner Mutter Seele, die
Durch dich zur langen, langen Pein hinüberschlief?
Auf deiner Schwelle wessen Blut?
- Und unter deinem Herzen
Regt sich's nicht quillend schon,
Und ängstet dich und sich
Mit ahnungsvoller Gegenwart?

Gretchen
Weh! Weh!
Wär' ich der Gedanken los,
Die mir herüber und hinüber gehen
Wider mich!

Chor
Dies irae, dies illa
Solvet saeclum in favilla.

Böser Geist
Grimm faßt dich!
Die Posaune tönt!
Die Gräber beben!
Und dein Herz,
Aus Aschenruh'
Zu Flammenqualen
Wieder aufgeschaffen,
Bebt auf!

Gretchen
Wär' ich hier weg!
Mir ist als ob die Orgel mir
Den Athem versetzte,
Gesang mein Herz
Im Tiefsten lös'te.

Chor
Judex ergo cum sedebit,
Quidquid latet adparebit,
Nil inultum remanebit.

Gretchen
Mir wird so eng!
Die Mauern-Pfeiler
Befangen mich!
Das Gewölbe
Drängt mich! - Luft!

Böser Geist
Verbirg dich! Sünd' und Schande
Bleibt nicht verborgen.
Luft? Licht?
Weh dir!

Chor
Quid sum miser tunc dicturus?
Quem patronum rogaturus?
Cum vix justus sit securus.

Böser Geist
Ihr Antlitz wenden
Verklärte von dir ab.
Die Hände dir zu reichen,
Schauert's den Reinen.
Weh!

Chor
Quid sum miser tunc dicturus?

Gretchen
Nachbarin! Euer Fläschchen! --

Sie fällt in Ohnmacht.

Johann Wolfgang von Goethe
Ölgemälde 1834 von Johann Josef Schmeller
Wikimedia.org - Public domain

About poem

Über den von Goethe verfassten Faust. Eine Tragödie kann man sich erschöpfend bei Wikipedia informieren. Er entstand in den Jahren 1770-1788.
Die Erstausgabe stammt aus dem Jahr 1808 und ist in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar als Digitalisat online abrufbar. Die vertonte Szene steht auf den Seiten 252ff.
Die Szene steht bereits im Urfaust, der 1790 zum ersten Mal gedruckt erschien. Ein Digitalisat dieses Erstdrucks findet sich ebenfalls in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar und kann online abgerufen werden. 1.1

About music

Written:  12. December   1814
Publishing (announced):  22. December   1832
Original key:  C   major
Songtype:   Cantata
Key recorded:  C   major

Schubert was 17 years old when he wrote this song.

Das Verhältnis zwischen Schubert und Goethe war ambivalent. Während Schubert den 48 Jahre älteren Meister verehrte, hat Letzterer ihn kaum beachtet. Obwohl Goethe einige seiner vertonten Gedichte durch eine Sendung Joseph von Spauns erhielt, gelang es Schubert nicht, mit seinen Kompositionen bis zu Goethe durchzudringen. Zu fremd waren den Ohren des alten Meisters der Klassik die neuen Klänge. 3.1
1830, zwei Jahre nach Schuberts Tod, soll Goethe den Erlkönig, gesungen von Wilhelmine Schröder-Devrient gehört haben. Ob ihm tatsächlich die Komposition, oder das junge Mädchen gefallen hat, bleibt dahingestellt. 3.2

Schubert vertonte 62 Texte von Goethe, manche sogar mehrmals. Am Ende liegen uns heute fast 80 Kompositionen vor. Viele davon sind Lieder. Einige für mehrere Stimmen und Instrumente.

Aus Goethes Faust vertonte Schubert folgende Gedichte:

Gretchen am Spinnrade D 118
Szene aus Goethes Faust (Zwei Fassungen) D 126
Der König in Thule D 367
Chor der Engel D 440
Gretchen im Zwinger D 564

Im Manuskript der ersten Fassung der Szene aus Goethes Faust finden sich Hinweise wie, Tromboni, Chor und Orgelton. Daher darf man davon ausgehen, dass Schubert vielleicht eine Übertragung der Komposition auf größere Besetzung geplant hatte.

Schubert war erst 17 Jahr alt, als er dieses Stück schrieb.

Wir konnten bei unserer Aufnahme die Chorstellen chorisch und die Solo-Stellen mit verteilten Rollen aufnehmen.
Ein Dank gilt hier an die Beteiligten Clara Hyerim Byun, Ekatheryna Chayka, Agatha Dembska-Kornaga, Simon Jass, Giorgos Karagiannis, Ana Mazaeva, Josefine Mindus, Emanuel Ratiu, Anna Schaumloeffel, Anastasia Sokolova und Dorota Szczepańska.

Old Schubert Edition, Series  XX, Vol. 01 № 37
New Schubert Edition  IV, Vol. 07
Bärenreiter Urtext Edition  Bd. 6 » 15

Old Schubert Edition

PDF Thumbnail

First edition

PDF Thumbnail

Source situation

Here you can find some informations about sources: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

The publication procured 1832 A. Diabelli & Co. in Wien as Nachlass - 20 | Publisher Number 4268

About publishing

Estate 20 4.1
Wiener Zeitung 22. December 1832 4.2
Back to Lied-list