Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Christoph Schnackertz - Klavier

Aufnahme: Freitag, 18. April 2025 | Saarbrücken

Liedtext

Willkommen, rothes Morgenlicht!
 Es grüßet dich mein Geist,
Der durch des Schlafes Hülle bricht,
 Und seinen Schöpfer preis't.

Willkommen, goldner Morgenstrahl,
 Der schon den Berg begrüßt,
Und bald im stillen Quellenthal
 Die kleine Blume küßt!

O Sonne, sei mir Gottes Bild,
 Der täglich dich erneut,
Der immer hehr, und immer mild,
 Die ganze Welt erfreut.

Der, wie die Blum' im Quellenthal,
 O Sonne, dich erschuf,
Als deine Schwestern allzumal
 Entflammten seinem Ruf.

Ihr wandelt auf bestimmter Bahn
 Einher und strauchelt nicht;
Denn Gottes Odem haucht euch an,
 Sein Aug' ist euer Licht.

Er leitet euch am Gängelband,
 Heil mir! Er führt auch mich!
Er, der Orions Gürtel band,
 Verband auch mich mit sich!

Er leitet jeden, der ihm traut,
 Mit unsichtbarer Hand,
Als wär' er nur ihm anvertraut,
 An seinem Gängelband!

Die Sonne steiget! Weib und Kind
 Erwacht! erwacht wie sie
Erwachet! werfen wir geschwind 
 Uns alle hin auf's Knie!

Und dann zur Tagesarbeit, frisch,
 Sein Segen leuchtet hell!
Der Herr bereitet unsern Tisch.
 Uns quillt der Freude Quell!

Uns strahlet Gottes Herrlichkeit
 Auch aus der Unsern Gruft;
Wir wissen, wer zur Seligkeit
 Sie rief, und bald uns ruft!

Dem sind auch seine Todten nah',
 Wer Gott, den Herren, preis't,
Und freudig im Halleluja 
 Sich dieser Welt entreißt.

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg
Wikimedia.org - Public domain

Zum Text

Das Gedicht Morgenlied von Friedrich Leopold Graf zu Stolberg wurde veröffentlicht im Jahr 1795 in Musen-Almanach fürs Jahr 1795. Herausgegeben von Johann Heinrich Voß. Hamburg bei Carl Ernst Bohn.. Es findet sich auf Seite 68ff..

Digitalisat online

Zur Musik

Komponiert:  24. August   1815
Veröffentlichung (angezeigt):  8. Januar   1850
Originaltonart:  F - Dur
Liedform:   Strophenlied
Aufnahmetonart:  C - Dur
Schuberts Wohnort 1815 | Säulengasse 3 Wien

Insgesamt 9 Vertonungen schuf Franz Schubert auf die Gedichte Stolbergs. Eines wurde nicht vollendet, eines liegt nur noch als Fragment vor. Die Vertonung Auf dem Wasser zu singen D 774, ebenfalls ein Text Stolbergs, gehört jedoch unzweifelhaft zu den schönsten Liedern, die Schubert jemals komponiert hat.

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Ort des Manuskripts: British Library London

Die Veröffentlichung besorgte 1850 Eusebius Mandyczewski in Alte Gesamtausgabe (Breitkopf&Härtel) in Leipzig

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 03 № 126
Neue Schubert-Ausgabe  IV, Bd. 09
Bärenreiter Urtext Edition  Bd. 8 » 9

Originalversion des Liedes PDF Thumbnail Transposition PDF Thumbnail
Zurück zu den Liedern