Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Holger Berndsen - Klavier
Aufnahme: Samstag, 08. April 2023 | Nürnberg
Liedtext
Da unten steht ein Ritter
Im weißen Mondenstrahl;
Es tönet seine Zitter
Von treuer Liebe Qual:
* * *
»Lüfte spannt die blauen Schwingen
Still für meine Botschaft aus,
Ruft sie mit dem leisen Klingen
An dieß Fensterchen heraus!
Sagt ihr, daß im Blätterdache
Seufze ein bekannter Laut;
Sagt ihr, daß noch Einer wache
Und die Nacht sey kühl und traut
Sagt ihr, wie der Mond so helle
Auf ihr Fenster streut sein Licht;
Sagt ihr, wie der Wald, die Quelle
Heimlich und von Liebe spricht!!
Laß ihn leuchten durch die Bäume
Deines Bildes süßen Schein;
Das sich hold in meine Träume
Und mein Wachen webet ein! -«
* * *
Doch drang die zarte Weise
Wohl nicht zu ihrem Ohr;
Der Sänger schwang sich leise
Zum Fensterlein empor.
Und oben zog der Ritter
Ein Kränzchen aus der Brust,
Das band er fest am Gitter
Und seufzte: »Blüht in Lust -
Und fragt sie, wer euch brachte,
Dann Blumen thut ihr kund -«
Ein Stimmchen unten lachte:
»»Dein Ritter Liebemund!«« -
Zum Text
Die Entstehungsgeschichte zu diesem Gedicht ist kurios.
Sie geht zurück auf das Gemälde Des ritterlichen Jägers Liebeslauschen von Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld, welches im Mai 1820 in einer Kunstausstellung in Wien gezeigt wurde.
Das Gemälde ging leider durch einen Brand verloren, aber es existiert ein Druck davon in schwarzweiß in Verlorene Meisterwerke deutscher Romantiker.
Nachkolorierte Version davon:

Dieses Gedicht inspirierte Franz Xaver Schlechta von Wschehrd zu folgendem Gedicht, das in Conversationsblatt. Zeitschrift für wissenschaftliche Unterhaltung Nr. 53 Jhg 1820. Hrsg. von Franz Gräffer veröffentlicht wurde.
Diese Veröffentlichung zog eine weitere im Conversationsblatt zu Beginn des Jahres 1821 nach sich, in dem eine mit dem Gemälde korrespondierende Lithografie von Schnorr gemeinsam mit dem hier von Franz Schubert vertonten Gedicht von Schlechta v Wschehrd gebracht wurde.

Beide Gedichte erscheinen 3 Jahre später 1824 in einer abgewandelten Form als I und II unter dem Titel Liebeslauschen - I Der Ritter und II Das Fräulein
Das Gedicht Des Fräuleins Liebeslauschen von Franz Xaver Schlechta von Wschehrd wurde veröffentlicht im Jahr 1821 in Conversationblatt. Zeitschrift für wissenschaftliche Unterhaltung. Dritter Jahrgang. 1821. Erster Band. Wien. Im Verlage der Gerold’schen Buchhandlung. [1. (Wien, Mittwoch den 3. Jänner.)]. Es findet sich auf Seite 7f.. -> Digitalisat online
Weitere Veröffentlichungen:
Conversationblatt. Zeitschrift für wissenschaftliche Unterhaltung. Dritter Jahrgang. 1821. Erster Band. Wien. Im Verlage der Gerold’schen Buchhandlung. [1. (Wien, Mittwoch den 3. Jänner.)], 1821, Seite 9f.
Zur Musik
Schubert war 23 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.
Franz Xaver Schlechta von Wschehrd war als junger Mann Schüler im gleichen Konvikt wie Franz Schubert. Beide kannten sich und Franz Schlechta war beteiligt, als Schuberts erste Auftragskomposition, eine Kantate mit dem Namen Prometeus am 24. Juli 1816 uraufgeführt wurde. In der Wiener Allgemeinen Theaterzeitung vom 27. September 1817 erschien ein Lob-Gedicht Schlechtas auf Franz Schubert zu dieser Aufführung. Es handelt sich dabei um die erste Würdigung des Komponisten in der Öffentlichkeit.
Wiener Allgemeine Theaterzeitung, 27.09.1817, S. 3
An Herrn Franz Schubert.
(Als seine Cantate »Prometheus« aufgeführt ward.)
In der Töne tiefem Beben
Wie die Saiten jubelnd klangen,
Ist ein unbekanntes Leben
In der Brust mir aufgegangen.In dem Sturmeston der Lieder
Klagt der Menschheit jammernd Ach –
Kämpfend steigt Prometheus nieder.
Und das schwere Dunkel brach!Mich hats wunderbar erhoben
Und der Wehmuth neue Lust,
Wie ein schimmernd Licht von oben,
Kam in die bewegte Brust!Und in Thränen und Entzücken
Fühlte ich mein Herz zerstücken.
Jauchzend hätte ich mein Leben
Wie Prometheus hingegeben!Franz v. Schlechta.
Im Zusammenhang mit dem Namen Schlechta muss der Name Ludlamshöhle fallen. Unter den Mitgliedern dieser "Unsinnsgesellschaft" finden sich, was nicht weiter verwundert, etliche Persönlichkeiten, die ebenfalls dem Freundeskreis angehörten, der sich um Franz Schubert bildete.1.1
Franz Xaver Schlechta trug den Ludlamsnamen – Gutauch mit dem grünen Mantel
Franz Schubert vertonte sieben Gedichte von Schlechta. Das hier vorliegende hat eine so ausladende Entstehungsgeschichte, dass davon auszugehen ist, dass jeder Bild und Gedicht kannte. Schubert erhielt das Gedicht sicher handschriftlich von Schlechte von Wschehrd oder durch einen seiner Freunde.
Quellenlage
Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch
Ort des Manuskripts: Wienbibliothek im Rathaus der Stadt Wien
Die Veröffentlichung besorgte 1895 A. Diabelli & Co. in Wien als Nachlass - 15 | Verlagsnummer 4015
Noten
Originalversion des Liedes
Quellen
1.1 Die Ludlamshöhle - Artikel auf Wikipedia.de
5.1 Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Des Fräuleins Liebeslauschen
6.1Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net
Geschrieben von: Peter Schöne
