Die Gestirne

D 444 Nachlass

Friedrich Gottlob Klopstock 1724 - 1803

Interpreten: Peter Schöne - Bariton | Holger Berndsen - Klavier

Aufnahme: Sonntag, 09. April 2023 | Nürnberg

Liedtext

Es tönet sein Lob Feld, und Wald, Thal, und Gebirg,
Das Gestad' hallet, es donnert das Meer dumpfbrausend
Des Unendlichen Lob, siehe des Herlichen,
Unerreichten von dem Danklied der Natur!

Es singt die Natur dennoch dem, welcher sie schuf,
Ihr Getön schallet vom Himmel herab, lautpreisend
In umwölkender Nacht rufet des Strahls Gefährt
Von den Wipfeln, und der Berg' Haupt es herab!

Es rauschet der Hain, und sein Bach lispelt es auch
Mit empor, preisend, ein Feyrer, wie er! die Luft wehts
Zu dem Bogen mit auf! Hoch in der Wolke ward
Der Erhaltung und der Huld Bogen gesetzt.

Und schweigest denn du, welchen Gott ewig erschuf?
Und verstumst mitten im Preis' um dich her? Gott hauchte
Dir Unsterblichkeit ein! Danke dem Herlichen!
Unerreicht bleibt von dem Aufschwung des Gesangs

Der Geber, allein dennoch sing, preis' ihn, o du,
Der empfing! Leuchtendes Chor um mich her, ernstfreudig,
Du Erheber des Herrn, tret' ich herzu, und sing'
In Entzückung, o du Chor, Psalme mit dir!

Der Welten erschuf, dort des Tags sinkendes Gold,
Und den Staub hier voll Gewürmegedräng, wer ist der?
Es ist Gott! es ist Gott! Vater! so rufen wir;
Und unzählbar, die mit uns rufen, seyd ihr!

Der Welten erschuf, dort den Leun! Heisser ergießt
Sich sein Herz! Widder, und dich Kaprikorn, Pleionen,
Skorpion, und den Krebs. Steigender wägt sie dort
Den Begleiter. Mit dem Pfeil zielet, und blitzt

Der Schütze! Wie tönt, dreht er sich, Köcher, und Pfeil!
Wie vereint leuchtet ihr, Zwilling', herab! Sie heben
Im Triumphe des Gangs freudig den Strahlenfuß!
Und der Fisch spielet, und bläst Ströme der Glut.

Die Ros' in dem Kranz duftet Licht! Königlich schwebt,
In dem Blick Flamme, der Adler, gebeut Gehorsam
Den Gefährten um sich! Stolz, den gebognen Hals,
Und den Fittig in die Höh, schwimmet der Schwan!

Wer gab Melodie, Leyer, dir? zog das Getön
Und das Gold himlischer Saiten dir auf? Du schallest
Zu dem kreisenden Tanz, welchen, beseelt von dir,
Der Planet hält in der Laufbahn um dich her.

In festlichem Schmuck schwebt, und trägt Halm' in der Hand,
Und des Weins Laub die geflügelte Jungfrau! Licht stürzt
Aus der Urn' er dahin! Aber Orion schaut
Auf den Gürtel, nach der Urn schauet er nicht!

Ach gösse dich einst, Schaale, Gott auf den Altar,
So zerfiel Trümmer die Schöpfung! es bräch des Leun Herz!
Es versiegte die Urn'! hallete Todeston
Um die Leyer! und gewelkt sänke der Kranz!

Dort schuf sie der Herr! hier dem Staub näher den Mond,
So, Genoß schweigender kühlender Nacht, sanft schimmernd
Die Erdulder des Strahls heitert! in jener Nacht
Der Entschlafnen da umstrahlt einst sie Gestirn!

Ich preise den Herrn! preise den, welcher des Monds
Und des Tods kühlender, heiliger Nacht, zu dämmern,
Und zu leuchten! gebot. Erde, du Grab, das stets
Auf uns harrt, Gott hat mit Blumen dich bestreut!

Neuschaffend bewegt, steht er auf zu dem Gericht,
Das gebeindeckende Grab, das Gefild der Saat, Gott!
Es erwachet, wer schläft! Donner entstürzt dem Thron!
Zum Gericht hallts! und das Grab hörts, und der Tod!

Klopstocks Werke 1798

Friedrich Gottlob Klopstock
Ölgemälde ca. 1779
Wikimedia.org - Public domain

Zum Text

Klopstock schrieb seine Ode Die Gestirne im Jahr 1764 im Alter von 40 Jahren. 

Klopstock war ein Meister der Prosodie (Lehre von Vers, Rhythmus und Metrum). Über viele seiner Oden setze er eine definierte Versskansion mit der das Metrum des Gedichtes sichtbar gemacht wird.
Für Die Gestirne sieht das so aus:

u–uu–, –u–, –uu–
uu–, –uu–uu–, u(–)–u
uu–uu– –uu–u–
uu–u, (–)uu– –uu–.

Das Gedicht Die Gestirne von Friedrich Gottlob Klopstock wurde veröffentlicht im Jahr 1798 in Klopstocks Werke. Leipzig: bey Georg Joachim Göschen. Es findet sich auf Seite 186ff.. -> Digitalisat online

Weitere Veröffentlichungen:

Klopstocks Werke. Leipzig: bey Georg Joachim Göschen, 1798, Seite 53ff.

Digitalisat online

Zur Musik

Komponiert:  Juni   1816
Veröffentlichung (angezeigt):  25. April   1837
Originaltonart:  F - Dur
Liedform:   Strophenlied
Aufnahmetonart:  Es - Dur
Schuberts Wohnort 1816 | Säulengasse 3 Wien

Schubert war 19 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Klopstock gilt als Erneuerer der deutschen Sprache und als Erschaffer neuer Versformen. Viele Komponisten haben Verse von ihm vertont. Dabei stellt Klopstock durch sein oftmals ungewöhnliches Versmaß auch ungewöhnliche Anforderungen an die Komponisten. In ihrem 2016 erschienenen, musikwissenschaftlichen Artikel geht Hanna Zühlke auf diese Besonderheit ein. 2.1

Franz Schubert vertonte insgesamt 16 Texte von Klopstock. Manche Stücke sind für Chor, die meisten jedoch sind Lieder. Zählt man alle Fassungen zusammen kommt man auf insgesamt 21 Klopstock-Vertonungen, die uns heute von Schubert vorliegen. 

19 Jahre alt war er, als er dieses Lied schrieb.

Quellenlage

Informationen zur Quellenlage (Manuskripte etc.) finden Sie hier: Thematisches Verzeichnis von Otto Erich Deutsch

Ort des Manuskripts: Staatsbibliothek zu Berlin, preußischer Kulturbesitz

Die Veröffentlichung besorgte 1837 A. Diabelli & Co. in Wien als Nachlass - 10 | Verlagsnummer 5032

Zur Veröffentlichung

Nachlass 10 4.1
Wiener Zeitung 25. April 1837 4.2

Noten

Alte Gesamtausgabe, Serie  XX, Bd. 04 № 229
Neue Schubert-Ausgabe  IV, Bd. 10
Friedlaender Edition  Bd. 5 » 35

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