Composer: Franz Schubert (1797-1828)
Author: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

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Artists: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Recorded: Saturday, 25 August 2012 - Berlin



Lyrics

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

«Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?» -
«Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?»
«Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.»

"Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand."

«Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?»
«Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind:
In dürren Blättern säuselt der Wind.»

"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein."

«Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?»
«Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.»

"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt."
«Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!»

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Müh' und Not:
In seinen Armen das Kind war tot

Source & Alternative: www.lieder.net

Creation

Written: October 1815

Published: 2. April 1821

Key: g-moll

Schema: durchkomponiert

Characteristic:

Erlkoenig
Erlkönig
Moritz von Schwind

Über die Entstehung des Textes der Ballade kann man sich erschöpfend bei Wikipedia (in mehreren Sprachen) oder bei Google informieren.

Die Entstehung der Komposition wird uns durch Joseph von Spaun (ein lebenslanger Freund Schuberts) anschaulich berichtet. Der vielzitierte Textabschnitt dazu stammt aus Spauns Aufzeichnungen über meinen Verkehr mit Franz Schubert (1858) die zusammen mit anderem biografischen Material von Ferdinand Luib gesammelt wurden:

"An einem Nachmittag des Jahres 1815 ging ich mit Mayrhofer zu Schubert, der damals bei seinem Vater auf dem Himmelpfortgrund war; wir fanden Schubert glühend, den >Erlkönig< aus dem Buche laut lesend. Er ging mehrmals mit dem Buche auf und ab, plötzlich setzte er sich, und in der kürzesten Zeit, so schnell man nur schreiben kann, stand die herrliche Ballade nun auf dem Papier. Wir liefen damit in das Konvikt, da bei Schubert kein Fortepiano war, und dort wurde der Erlkönig noch den selben Abend gesungen und mit Begeisterung aufgenommen. Der alte Organist Ruziczka setzte sich dann hin und spielte ihn selbst ohne Gesang in allen Teilen mit aller Teilnahme aufmerksam durch und war ganz gerührt über die Komposition. Als einige eine mehrmals wiederkehrende Dissonanz ausstellen wollten, erklärte Ruzicka, sie auf dem Klavier anklingend, wie sie hier notwendig dem Text entspreche, wie schön sie vielmehr sei und wie glücklich sie sich löse."

Intuitiv, schnell und klar fängt Schubert die Situation und die Stimmung des Gedichtes von Goethe ein und bringt sie mit sparsamen Mitteln zu Papier. Es gab Kritik am Wahrheitsgehalt des Berichts von Spaun, aber selbst wenn der Bericht, der ja viele Jahre nach Schuberts Tod verfaßt wurde, nicht getreu die Entstehung des "Erlkönig" wiedergibt, so erscheint es, unter Berücksichtigung der Menge von ungefähr 145 Liedern und anderen Werken die Schubert 1815 schrieb (siehe unten) durchaus plausibel, daß ihm mit dem Erlkönig in dieser kurzen Zeit ein solches Geniestück gelang.
In entscheidenden Kleinigkeiten ist der Erlkönig von Schubert ohnehin noch verändert worden, sodaß uns heute vier Fassungen davon vorliegen.
Musik und Text werden in diesem Lied eine Einheit. Die außerordentlich schwierige Begleitung erzeugt mit ihren getriebenen, "reitenden" Triolen sofort das Bild jenes Reiters der, den Sohn auf dem Arm haltend, in wildem Galopp durch die Nacht jagt.
Die Dissonanz, die für die anwesenden Freunde so befremdlich war, findet sich am Schluß des Liedes, wenn der Sohn zum letzten Mal mit fiebrigen Worten den Vater anfleht: "Mein Vater, mein Vater jetzt faßt er mich an...". Bei den Worten "Vater" und "faßt" erklingt die ungewohnte None in der Singstimme, die sich so "glücklich löst".

DeutschVerzeichnis

Deutsch-Verzeichnis

Die vier Fassungen sind im thematischem Katalog von Otto Erich Deutsch verzeichnet. Laut O.E.Deutsch gelten die Autographe der ersten und der vierten Fassung als verschollen. Das Autograph der zweiten Fassung mit Achteln statt Triolen in der rechten Hand im Klavier liegt in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin und kann dort online recherchiert werden. Die erste Seite dieser Fassung findet man auf Wikimedia.org. Das Autograph der dritten Fassung befindet sich in The Piermont Morgan Library, New York und kann dort ebenfalls online recherchiert werden.
Die Erstveröffentlichung der hier aufgenommenen vierten Fassung besorgte Cappi&Diabelli als Op. 1. Sie kann auf imslp.org online eingesehen.
Die Erstveröffentlichung der 1.-3. Fassung findet sich in der Alten Gesamtausgabe von 1895. Auch diese Fassungen sind auf imslp.org vorhanden.

Schubert schrieb in diesem Jahr unter anderem die Sinfonie in B-Dur (D.125), die Sonate in E-Dur (D.157), das Singspiel "Der vierjährige Posten" (D.190), die Sinfonie in D-Dur (D.200), das Singspiel "Fernando" (D.220), das Singspiel "Claudine von Villa Bella" (D.239), das Singspiel "Die Freunde von Salamanka" (D.326) und etwa 145 Lieder.


Quelle(n):
Deutsch, Otto Erich: Schubert - Die Erinnerungen seiner Freunde. Breitkopf & Härtel, 1957, S.111.
Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.198

Geschrieben von: Peter Schöne

Score

original version

Source of score imslp.org: Erlkönig - 4. Fassung.pdf